Rumänien Rundbrief von Andreas Merker

Rumänienrundbrief Nr. 18 - Winter 2003 / 2004
(noch nicht komplett für's WEB aufbereitet)

Nachtrag zum Rundbrief:
Goldtagebau bedroht Rosia Montana

Der Rumänien-Rundbrief will Informationen verschiedenster Art über Rumänien vermitteln. Er wendet sich sowohl an Touristen als auch an andere interessierte Personen. Die Bandbreite reicht von Reisetips, Informationen über Projekte und Hilfsorganisationen bis hin zu politischen, geschichtlichen und kulturellen Themen.

Ein wichtiges Ziel ist die Vernetzung von Initiativen und Einzelpersonen, die sich mit Rumänien beschäftigen. Diesen soll der Rundbrief als Sprachrohr dienen.

Im Rundbrief kann jeder veröffentlichen, Honorar kann jedoch nicht gezahlt werden. Der Rundbrief erscheint zweimal im Jahr. Er wird ehrenamtlich erstellt, die Einnahmen sind für Druck, Papier und Postgebühren.

Abos über 4 Ausgaben: Normalabo  7 € , Förderabo  10 € (oder mehr). Mehrfachbesteller zahlen ab 4 Hefte 1,25 € pro Heft. Alte Ausgaben gibt es, solange der Vorrat reicht. Leser/innen in Rumänien können den Rundbrief bis auf Widerruf kostenlos beziehen.

Wer braucht Socken ?

(Schafwollsocken aus dem rumänischen Dorf Viscri (Deutschweißkirch)

Welcher Basar, welche Feier, welches Weihnachtspäckchen könnte dadurch bereichert werden? Wir haben Vorrat genug und freuen uns auf Bestellungen, groß oder klein, und versprechen schnelle Lieferung Und die Frauen aus Viscri freuen sich über jedes verkaufte Paar - und sind dringend darauf angewiesen.

            Ich bestelle 25 Paar Socken, gemischt, von Baby bis Gr.48 für 103,- €  zzgl. Porto

           Ich bestelle einzelne Paare bzw. eine individuelle Auswahl zu 3,00 bis 4,80 € je

Paar je nach Größen zzgl. Porto.  Größen:                                                               

Unterschrift                               Adresse                                                Tel., Fax, Email

Bestellungen bitte an Charlotte Willberg, Mühlbachweg 13, D-90559 Burgthann,

Tel. 09183 / 95 00 39, Fax 09183 / 902888, email: HHWillberg@Compuserve.com

Ausstellung in Leipzig: Der nahe Fremde - Strainul apropiat

Über die Menschen, das Leben und die Arbeit in den Berggebieten Rumäniens

Am 16. 10. 2003 wurde die Ausstellung von Stephan Drube im Rahmen der Internationalen Agrarfachtagung "Die Landwirtschaft Südosteuropas auf dem Weg in die Europäische Union: Probleme und Perspektiven" eröffnet und wird im Leibniz-Institut für Länderkunde  Schongauer Str. 9, 04329 Leipzig (Tel.: 0341 255 6540) bis zum 7.12.2003 zu sehen sein. Diese Ausstellung, die bereits in Bukarest, Sibiu und Baia Mare sowie im Rumänischen Kulturinstitut sowie an der Humboldt- Universität Berlin gezeigt wurde wird jetzt zum ersten Mal in deutscher Sprache präsentiert. Paul Schuster, Schriftsteller aus Siebenbürgen schreibt in seinem Vorwort u.a.: "Drube zeigt, was der heute durch Rumänien Reisende, sofern er an touristischen Komfort gewöhnt ist, nicht zu sehen bekommt." Die "Allgemeine Deutsche Zeitung in Rumänien" dazu: "Die Ausstellung von Stephan Drube macht in vielen wirklich schönen und sprechenden Bildern darauf aufmerksam, daß da etwas Wertvolles unwiederbringlich verlorengeht." Ein Katalog zum Preis von 6,50 ist in Leipzig oder beim Autor erhältlich.

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Teil aus Kostengründen und zum Teil aus eigener  Faulheit habe ich entschieden, im Mai keine Druckausgabe herauszubringen. Alle Abonnenten erhielten ersatzweise den Rundbrief der Dresdener Rumänieninitiative zugeschickt. Aus diesem habe ich ohnehin in den letzten Jahren viele Texte übernommen. Wenn niemand was dagegen hat, überlege ich , auch in Zukunft so zu verfahren, also im Frühjahr das Dresdener Heft zu verschicken und im Herbst eine eigene Ausgabe zu machen. (Dresdener Rumänieninitiative im Netz: http://www.muenster.org/romania)

Außerdem angedacht ist ein Sonderheft mit Tipps für Bergwanderer, ein Termin steht noch nicht fest. Jedes dieser Hefte wird den Abonnenten wie ein normaler Rundbrief berechnet.

Nicht abgedruckt, aber auf Anfrage per Fax oder als Kopie erhältlich:

-Hilfsverein Jonas e.V. - Rundbrief Jahreswechsel 2002 / 2003

-Info aus Viscri von Harald, Maria und Dorothee (2 Seiten A3)

-Brief von Pater Don Demidoff / Casa Don Bosco in Cincu.(www.klick-kinder.de)

Das in der Ausgabe Nr.16 angekündigte "Faltblatt 2003", entfällt wegen zu geringer Resonanz.

Veröffentlichungen im Rundbrief: Jeder kann Beiträge zur honorarfreien Veröffentlichung vorschlagen und haftet dabei für Wahrheitsgehalt und die Bestimmungen des Urheberrechts. Ich gehe davon aus, dass mir mit der Zusendung die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt wird (incl. Veröffentl. im Internet und Versand per Email). Falls das nicht zutrifft, bitte deutlich kennzeichnen.

Wer Texte sowieso schon auf Computer hat, wird gebeten uns diese entweder auf Diskette (am besten DOC, RTF oder TXT-Format) oder als email (möglichst nicht als Anhang) zu schicken an: rumaenienrundbrief@web.de. Wer keinen Computer hat, kann die Texte natürlich weiter auf Papier schicken. Wer etwas im Internet veröffentlichen will, mailt bitte direkt an reti@rennkuckuck.de

Einen angenehmen Jahresausklang wünscht Euch und Ihnen                                  Andreas Merker

Impressum

Redaktion: Rumänien‑Rundbrief,

Ludwigstraße 37, D-06110 Halle/S.

Fax 0345 / 170 1241,

email Redaktion: rumaenienrundbrief@web.de

email Internetmacher: reti@rennkuckuck.de

Bestell-Nr. ISSN 1433-5867, Auflage ca. 500 Stück

V.i.S.d.P.: Andreas Merker, Tel. 0345 / 959 6262

Unterzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder, die Rechte für diese Beiträge liegen bei den Autoren.

Haftung für den Inhalt der Beiträge und Werbeanzeigen ausgeschlossen.

Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - "Haftung für Links" hat das Landgericht (LG) in Hamburg entschieden, dass man durch die Anbringung eines Links, die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann - so dass LG - nur dadurch verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Hiermit distanzieren wir uns ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten.  

Sonstiges

- Visafrei können seit 01.01.2001 alle Staatsangehörigen der Mitgliedsländer der EU mit gültigem Reisepass nach Rumänien einreisen. An der Grenze wird auch der Personalausweis akzeptiert, dann erhalten die Reisenden einen extra Zettel mit dem Einreisestempel (nicht verlieren!)

- Meldepflicht: Wer Ausländer in RO länger als 15 Tage beherbergt, muß das binnen 3 Tagen bei der Polizei melden (gilt auch für "visafreie" EU-Bürger) 

- Umtauschkurse am 3.10.2003: 1 Euro=38.000 Lei, 1 USD= 32.600 Lei

INTERAUDIO-Seminar: Rumänien nach der Wende
7.-9. November 2003 in Halle / Saale

Ort: Radio Corax, Unterberg 11, 06108 Halle (Nähe Uni und Opernhaus)

Anmeldung: Tel. 0345 / 470 07 45

Ansprechpartner: Thomas Kupfer, Tel. 0345 / 203 6841,

email: info@interaudio.org

Für das Seminar wird kein Teilnahmebeitrag erhoben.

Die Ergebnisse sind zu hören bei Radio Corax (UKW 95,9 in Halle und Umgebung; www.radiocorax.de) und werden dokumentiert im Internet www.interaudio.org  Interaudio ist eine Koordinierungsstelle für interkulturellen Hörfunk.

Ablaufplan
Freitag, 7. November
14:00 Uhr Eröffnung, Arbeitsplanung, Vorstellung der Referentinnen und Referenten, Projektvorstellung INTERAUDIO
15:00 Uhr Politische und soziale Entwicklung in Rumänien seit 1989/90 (Dr. Johann Böhm, Herausgeber der "Halbjahreschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik", Dinklage)
17:30 Uhr Medienlandschaft in Rumänien (Gabriela Adamesteanu, Chefredakteurin der rumänischen Wochenzeitschrift "22", Bukarest)
20:00 Uhr Abendessen

Samstag, 8. November
10:00 Uhr Rassismus und Nationalismus in Rumänien: Ideologie im Internet (William Totok, Schriftsteller, Publizist, Featureautor, Berlin)
12:30 Uhr Mittagessen, Interviews
14:00 Uhr Roma in Rumänien (Dr. Brigitte Mihok, Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin)
16:30 Uhr Unabhängige Medien in Rumänien (N.N., Vertreter der Freien Radioinitiative in Cluj)
17:30 Uhr Freies Radio in Rumänien (N.N., Vertreter der Freien radio initiative in Rumänien)
19:00 Uhr Abschlussdiskussion
20:00 Uhr Abendessen

Sonntag, 9. November
11:00 Uhr (bis 15:00 Uhr) Planung der weiteren Arbeit, Seminarauswertung und Planung der Beiträge (ohne Referentinnen und Referenten, nur Arbeitsgruppe INTERAUDIO Rumänien)

Früchtetee und Schafskäse

Der Fairhandelsvertrieb El Puente bietet seit einiger Zeit auch Produkte aus Rumänien an. Erhältlich ist z.B. Früchtetee in 4 Geschmacksrichtungen. Die Hauptbestandteile (getrocknete Wildäpfel und Hagebuttenschalen) stammen aus Wäldern im Raum Piteşti. Die Früchte stammen aus biologischer Bewirtschaftung, die sich noch in Zertifizierung befindet. Die von einem staatlich vereidigten Labor durchgeführten Analysen weisen keine Pestizidrückstände und keine Radioaktivität nach. Je nach Sorte werden in der Verarbeitung durch eine renomierte deutsche Firma für die Teeverarbeitung ausgewählte natürliche Aromen, Gewürze und getrocknete Früchte zugegeben, die den vielfältigen Geschmacksrichtungen ihre spezielle Note geben. Der Anteil fair gehandelter Bestandteile liegt bei allen Tees bei mind. 75%. (aus Info El Puente - www.el-puente.de )

Sehr zu empfehlen ist auch der leckere Telemea-Original Schafskäse mit Biozertifikat. Außerdem gibt es Kürbiskerne und Kürbiskernöl (Bio) und Pfefferminzdrops. Erhältlich sind die Produkte in Weltläden oder im Versand beim Kräuterboten (siehe Anzeige)

Produkte aus Rumänien

diese Produkte sind fair gehandelt (El Puente), Versandkosten bis 400g 2,50 €, darüber 5,00 €

Kürbiskerne            200g            3,00 €  BIO

geschält, geröstet

Schafskäse             180g            3,00 €  BIO

ab 5 Pck. je 2,40 €

Früchtetee

Maracuja-Mango            100g            3,00 €

Erdbeer-Johannisbeer            100g            3,00 €

Rote Grütze mit Sahne            100g            3,00 €

Rumtopf            100g            3,00 €

Pfefferminzdrops Rolle 0,30 € /             10 R.            2,50 €

Viele weitere Kräutertees im Angebot

(siehe Internet oder Liste anfordern)

Der Kräuterbote

Ludwigstr. 37, D-06110 Halle

Tel. 0345 / 959 6262 oder 0179 / 145 1042

Fax 0345 / 170 1241

www.kraeuterbote.de                        Anzeige

Das Strohhutmuseum aus Körispatak (Criseni)

organisiert in jedem Sommer Lager für Strohflechten und Strohhüteherstellung.

Im Lager kann man erlernen: Herstellung von Strohhüten, umweltfreundlichem Tannenbaumschmuck und anderen Gebrauchsartikeln aus Stroh.

Das Dorf liegt an der Kreisstraße 135 A an der Westgrenze des Kreises Udvarhely (Odorheiu Secuiesc) und hat 600 Einwohner. Die Strohhutherstellung ist als Handwerksberuf seit 150 Jahren im Dorf bekannt. 1879 haben über 100 Einwohner diesen Beruf praktiziert. Heute gibt es keine Familie im Dorf, die diesen Beruf nicht kennt .

Adresse: Szalmakalapkészitök Hagyományörzö Egyesülete, Szöcs Lajos,

RO-537006 Criseni - Körispatak 150. Tel. 0040.-66-204905 - Körispatak 46

Die Vila Rodica in Bran-Simon

(Kreis Braşov / Kronstadt) am Fuße des Bucegi-Gebirges bietet günstige Übernachtungsmöglichkeiten im Sommer

und Winter. Für Verpflegung sorgen eine hauseigene Bäckerei, welche auch Läden in der Umgebung mit frischen Backwaren beliefert und eine Fischzucht.

Adresse: Str. Iancu Gontea, Nr. 212,

RO-507028 Bran - Simon,  jud. Braşov,

Tel: 0040 745 151 424   0040 744 914 182.

Email: vila_rodica@yahoo.com   lau_ Internet:  www.branturism.ro

Neue Postleitzahlen

Seit Mai gelten in Rumänien neue, 6-stellige Postleitzahlen.

Da eine vollständige Veröffentlichung ein dickeres Buch werden würde, kann ich diese hier nicht alle abdrucken. Zu finden sind sie im Internet (Adresse unten). Leider muss man für die Suche den Namen des Kreises wissen, der nicht immer mit dem Namen der Kreishauptstadt übereinstimmt.  Wer nicht die Möglichkeit hat, im Internet nachzuschauen, sollte wie bisher auch üblich den Kreis (judeţ) mit angeben.

Hier zur groben Orientierung die ersten 2-3 Ziffern einiger Großstädte, die immer gleich sind:   Bukarest: 01....                      Timis 300...                      Hunedoara 331...                      Cluj 400...   Oradea (Bihor) 410...                   Bistrita 420...                      Baia Mare 430…                      Satu Mare 440...   Braşov 500...                      Odorhei (Harghita)535...                   Sibiu 550...                      Medias 551…   Piatra Neamt 610...                   Iasi 700...                      Constanta 900... 

http://www.posta-romana.ro/index.jsp?page=adresa

oder über

Curierul Binevoitor (Der wohlwollende Bote)

Rundmail für Freunde und Förderer von Hilfsprojekten in Rumänien

Redaktion: Alexander Glück M. A. (agl)

Wegen des großen Umfangs drucke ich in Absprache mit A. Glück nur Auszüge der Rundmail ab.             AM.

Gudrunstraße 156/9, A-1100 Wien
Tel. 0043-1/9418447
eMail: glueckwien@gmx.at
Internet: www.rumaenienhilfe.de.tt

Nummer 1 - Oktober 2003

Unsere Internetadressen:
www.rumaenienhilfe.at.tt -   www.bahnhofskinder.at.tt
(Diese Adressen funktionieren auch mit den Endungen de.tt, ch.tt sowie eu.tt).

 "Curierul Binevoitor" ist ein freies und unabhängiges Forum für den Austausch unter Freunden und Förderern von Hilfsprojekten in Rumänien. Redaktion: Alexander Glück. Sie erhalten diese Mail, wenn Sie die Arbeit eines Projekts unterstützen oder die Zusendung angefordert haben. (....) Bitte leiten Sie diese Ausgabe auch an Freunde, Kollegen und Bekannte weiter oder senden Sie uns deren Adressen. (....) Ältere Ausgaben senden wir Ihnen auf Wunsch gerne zu. Jeder Abonnent kann Beiträge zur honorarfreien Veröffentlichung vorschlagen und haftet dabei für Wahrheitsgehalt und die Bestimmungen des Urheberrechts.

Initiativen gesucht!

Hilfsinitiativen haben die Möglichkeit, diese Aussendung als ihre eigene anzusehen und entsprechend mitzugestalten. Dadurch werden Ideen und Arbeitserfahrungen weitergetragen, zugleich können die Initiativen auf ihre aktuellen Projekte und Bedürfnisse aufmerksam machen. Wichtige Spendengesuche und auch Hilfsangebote werden wir laufend mit Kontaktdaten veröffentlichen. Wenn eine Sachspende von Initiative A nicht genutzt werden kann, soll doch lieber Initiative B zugreifen können, als daß die Spende verfällt. Jeder Leser hat die Möglichkeit, Berichte über Initiativen einzureichen, die er unterstützt. So können wir auch die Perspektive der Förderer einbeziehen, nicht nur die der Initiatoren.

Mit diesem regelmäßigen Austausch gewinnen wir neue Spender und Unterstützer und die Verbesserung der Methodik. Weitere Ziele sind die Weiterleitung von nicht genutzten Spendenangeboten an andere Initiativen, die allgemeine Steigerung der Bekanntheit verschiedener Initiativen sowie das Hinweisen auf Bedürftige, die von Initiative A nicht versorgt werden können, so daß B und C einspringen können.

Zum Programm dieses Projekts gehört auch, daß es völlig unkommerziell ist und keinerlei Honorare zahlt oder einnimmt. Wer hier werbend auftreten will, möge seine aktive Unterstützung für ein Projekt bekunden.

Noch eine Bitte um Mitarbeit: Wir wollen in den nächsten Ausgaben weitere empfehlenswerte Initiativen vorstellen. Außerdem sind geplant: Ein Überblick über die geltenden Einfuhrbeschränkungen bei bestimmten Produktgruppen, ein Überblick über die Kosten von Geldtransfers nach Rumänien, ein Bericht zum Gesamtvolumen der Rumänienhilfen (verglichen mit dem BIP Rumäniens, das etwa halb so hoch wie das von Hamburg liegt!!), eine Übersicht über Frachtkosten und evtl. auch über günstigere und verläßliche rumänische Speditionen - und viele weitere interessante Themen. Für die gründliche Bearbeitung dieser Dinge brauchen wir unbedingt Ihre Hilfe: Bitte übernehmen Sie ein Thema und geben Sie einen Überblick, der dann allen etwas bringt. (agl)

Rumänienhilfe Lützen / Hilfe für Osteuropa e. V.

Wie wir kürzlich von jemandem aus Tschechien erfuhren, hatten Hilfsprojekte für Rumänien schon in den Staaten des sogenannten Ostblocks Tradition. Seinerzeit wurden in einigen Ländern Teile der Löhne automatisch abgeführt, und schon damals war Rumänien ein humanitäres Dauerthema.

Im wiedervereinigten Deutschland haben sich auch in den neuen Bundesländern höchst engagierte neue Initiativen gebildet. Eine davon arbeitet von Lützen aus. Wir zitieren Auszüge aus der Internetseite und bitten alle Leser, die in dieser Gegend mithelfen können, sich bei Gelegenheit den sehr informativen Internetauftritt des Vereins anzusehen: http://www.rumaenienhilfe-luetzen.de. Der MDR brachte bereits eine Reportage, und der Curierul Binevoitor steht mit diesen Menschen in Kontakt.

Der Verein Hilfe für Osteuropa e.V. wurde aus einer Spontaninitiative heraus von einer Handvoll Gleichgesinnter im Jahre 2000 gegründet. Er stellt sich die Aufgabe, Menschen in und aus Ländern Ost- und Südosteuropas durch Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen und durch projektbezogene humanitäre Hilfe Zeichen der Mitverantwortung und des Miteinander-Teilens zu setzen.

Es war von Anfang an unser Ziel, eine überschaubare dörfliche Gemeinschaft zu finden, damit unsere Hilfe auch spürbar wird und nicht verrinnt. Der Verein hat seinen Sitz in Lützen, einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, etwa 15 Kilometer südlich von Leipzig. Der Verein ist eingetragen beim Amtsgericht Weißenfels unter der Registrierung VR 448. Uns wurde die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt Naumburg anerkannt. Die Steuernummer lautet: 119/142/04064.

Wir brauchen dringend jede Hilfe, um selbst effektiv helfen zu können, und freuen uns über jeden, der sich auch für unsere Sache engagieren möchte. Interessenten können z. B. Mitglied unseres Vereins werden oder uns Sach- oder Geldspenden zukommen lassen.

Unser Vereinskonto hat die Nummer 17 12 88 800 bei der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut (BLZ 800 636 48). Hinsichtlich Sachspenden suchen wir ganz konkrete Dinge, die wir dringend zur Realisierung unserer Projekte (Kindergarten und Schule) oder zur Unterstützung bei der Ausstattung der Gemeinschaftsräume der Gemeinden benötigen. In der Umgebung werden die Sachen durch den Verein abgeholt.

Für die Kindergärten:

leer Tischchen und Stühlchen,Teppichboden

leer Finanzielle Mittel, um die Sanitäreinrichtungen fertigstellen zu können

Für die Schule:

leer 10 Stück Computermonitore, Computermäuse, einfache Drucker

leer Betriessystem (Win95/NT oder höher)

leer Tische u. Stühle oder Schulbänke

Für die dörflichen Gemeinschaftsräume (Küche und Gemeindesaal):

leer Große Töpfe (50 ltr), große Bratpfannen,

leer große Kühlschränke und Waschmaschinen

leer etwa 500 Stühle

leer Anmerkung der Redaktion: Bezüglich der Einfuhr von Kühlschränken müßte man sich vorab über die geltenden Bestimmungen informieren, die unseres Wissens bei einigen Produkten sehr restriktiv sind. Eine Leserin aus Alba Iulia teilte hierzu mit: "Kühlschränke dürfen wir nicht einführen, wegen des Kühlmittels, außerdem müßten wir für jeden Kühlschrank 50 Euro zahlen!" - Wer sich in dieser Thematik gut auskennt, ist aufgerufen, hierzu einen Beitrag für die nächste Ausgabe einzusenden.

Wer sich für den Verein in Lützen interessiert, findet eine Kontaktmöglichkeit über die Internetseite oder über die Redaktion.

LKW-Transport auf eigene Faust: Erfahrungsbericht

(Diesen Beitrag zeigt, wie es in der Praxis aussieht, wenn man sich einfach in den Wagen setzt und es an den Grenzen darauf ankommen läßt. Keine ungute Erfahrung, aber rechtzeitiges Verplomben macht alles etwas bequemer... Übrigens veröffentlichen etliche Hilfsinitiativen eigene Fahrtberichte auf ihren Internetseiten. Falls Sie auch einen haben: Bitte schicken Sie ihn an die Redaktion.)

Die Wiener Südstadt an einem klaren Sommermorgen, sechs Uhr dreißig. Mit einem geliehenen Kleinlaster, dreieinhalb Tonnen, biege ich in Richtung Osten ab. Im Wagen befinden sich Sachspenden, die für das Kinderheim "Stern der Hoffnung" in Alba Iulia, Rumänien, bestimmt sind. Nachdem ich an den ersten fünf Kreuzungen feststellte, daß der zweite Gang nur mit Krachen eingelegt werden kann, beschließe ich, für den Rest der Reise auf ihn zu verzichten und schalte fortan gleich in den dritten. Der Wagen hält sich treu wie ein alter Esel, selbst wenn der Besitzer mir noch mit auf den Weg gegeben hatte, daß er Öl verliert.

Am Tag zuvor war alles eingeladen worden: 35 Kisten mit 210 Schulranzen der Firma Essl, ferner ein alter Computer, ein Fahrrad und säckeweise Kleidung und Spielzeug. Damit es kein Gewühle gibt, war der Kleinkram in den Tiefen des Wagens verstaut, und davor standen die einheitlichen braunen Pappkisten. Erste Station von Wien aus war der Grenzübergang Nickelsdorf: für jemanden, der sich zum ersten Mal auf die LKW-Spur einordnet, eine ganz neue Erfahrung. Vor allem kann man nicht einfach durchfahren, sondern wird mit einem Laufzettel versehen und muß sich dann durch die Instanzen fragen. Hier hieß das: österreichischer Zoll, Spedition, ungarischer Zoll, Weiterfahrt.

In der Praxis gehen dafür an einem guten Tag zweieinhalb Stunden hin, denn erst muß eine neue Ladeliste ausgefüllt werden; auch ist es erforderlich, Straßenbenutzungsgebühren und eine Kaution zu bezahlen. Dafür ist IBUSZ zuständig. "Vierhundert Euro bitte", meint die Angestellte in dem kleinen Büro, in dem sich die Frächter drängen. "Dann habe ich kein Geld mehr zum Tanken", entgegne ich. Wir einigen uns auf dreihundert, zuzüglich sechzig Euro, weil es ein österreichisches Auto ist. Aber immerhin ist die erste Hürde damit genommen, ich rufe noch kurz zuhause an und verabschiede mich damit ins Ungewisse. Nächstes Ziel ist Budapest, dann Szeged. Da Ungarn flach wie eine Pizza ist, geht die Fahrt zügig voran. Für die Autobahn-Vignette brauche ich allerdings noch elf Euro, und für ein winziges Stück der Autobahn M 5, bei der mir das Ausweichen auf die Bundesstraße nicht vollends gelingt, fallen weitere zehn Euro an.

Verzweifelte Wagenwäscher

Das Fahren auf der holperigen Bundesstraße ist nach der eintönigen Autobahn eine willkommene Abwechslung, bei der man zur Kurzweil Prostituierte zählen kann. Dieser Teil der Reise hat eine gewisse unfreiwillige Komik, denn auf dem Laster prangt in großen Lettern der Werbespruch der Firma GEA: "Die besten im Bett". Später würde ich auf den Gedanken kommen, daß es eingentlich heißen müßte: "Die letzten im Bett", denn dieses ist noch lange nicht in Reichweite. Bei Makó tanke ich einen Schluck Diesel, um gerade so über die Grenze zu kommen, denn Treibstoff ist in Rumänien wesentlich billiger. Dann schließlich tauchen die Grenzanlagen auf.

Zu diesem Zeitpunkt ist mir noch nicht bekannt, daß sich dieser Grenzübertritt fünfeinhalb Stunden hinziehen werde. An der ungarischen Seite geht es noch, ich muß zwar nochmal vierzig Euro Gebühren bezahlen, bekomme aber meine Kaution zurück. In einer langen Schlange warten die Lastwagen auf ihre Abfertigung, und wie Nilpferde wälzen sie sich durch eine Vertiefung im Boden, die mit einer braunen, angeblich desinfizierenden Brühe gefüllt ist. Rumänien hat große Angst, daß aus den westlichen Industrienationen Seuchen eingeschleppt werden könnten, daher darf man auch keine getragenen Schuhe und keine Babysachen ins Land einführen. Ich fahre an eines der Zollhäuschen und werde auch sofort zurückgeschickt: Parken, Laufzettel holen, Spedition, Zoll, Grenzpolizei.

Wie ich den Wagen abstelle, kommt unerbittlich eine Kolonne freischaffender Wagenwäscher auf mich zu. Ich winke ab und gehe in Richtung des Bürogebäudes, aber sie lassen nicht locker und seifen den Wagen ein. Als ich wiederkomme, fangen sie mit Preisvorschlägen um die zwanzig Euro an und umlagern mich an der Beifahrertür. Erst mit einer Kiste Kosmetikpröbchen und mehreren Tüten Kakao und Kaffee ziehen sie ab, aber zufrieden sind sie nicht. Einer von ihnen wird später noch einen kaputten Schulranzen abstauben.

Gut Freund mit dem Zoll - ab zehn Euro

Im Bürogebäude habe ich inzwischen eine freundliche Dame kennengelernt, die mir rundheraus sagt, daß ich nicht die nötigen Papiere beisammen habe. Wir telephonieren mit Delia, der Sekretärin des Kinderheims, und sie erklärt der Rumänin, was es mit den Spenden auf sich hat. Mit viel persönlichem Einsatz und sehr viel Zeit, die sie sich für meine Fuhre nimmt, schafft es die Grenzdame schließlich, daß der Wagen abgefertigt wird. Aber: "Wenn man einen Zehneuroschein an die Papiere klemmt, geht es viel schneller" - ich sage ihr, daß das Geld für die Kinder bestimmt ist, sie läuft ins Büro, es scheint auch so zu funktionieren.

An sich hätten mich die Zollbehörden Rumäniens auch gleich wieder zurückschicken können, wenn sie nämlich die getragenen Schuhe und die Kindersachen gefunden oder sich einfach noch bornierter angestellt hätten. Nun ist es damit getan, daß der Zollbeamte sich freundlich erkundigt, ob es wohl möglich sei, für seine schulpflichtige Tochter… aber ja, die Schachteln werden aufgemacht, einmal freie Auswahl, welcher ist der schönere… und hier, auch der Wagenwäscher nimmt sich einen mit, nur die nette Dame von der Speditionsfirma traut sich nicht so recht, obwohl ich ihr noch am ehesten etwas geben will. Und schon ist der Wagen verplompt, nun nur noch ein paar Formalitäten, und die Abfertigung ist geschafft.

Als Versicherung, daß ich die Spendenware nicht unterwegs verkaufe - spätabends sind Schulranzen in Rumänien offenbar ein beliebtes Handelsgut - muß ich diesmal fünfzig Euro hinlegen, zuzüglich siebzehn Euro Gebühr. Die fünfzig Euro werden sich anderntags als eine Art Fiskalabgabe herausstellen, die ich nicht wiederbekomme (obwohl ich die Schulranzen unterwegs nicht verkauft haben werde). Aber dafür brauchten wir die Zöllner nicht zu bestechen. Üblich sind fünfzig Euro pro Person, aber man kann auch mit zwanzig anfangen und sich dann hochknausern. Nach fünfeinhalb Stunden verlasse ich die Grenzanlagen und halte mich Richtung Arad.

Nachts, in nebligen Wäldern...

An den Straßen stehen nun ganz andere Menschen als in Ungarn: fliegende Händler, Bettler und zwielichtige Figuren schauen den vorbeifahrenden Wagenkolonnen nach. Auch auf dieser Seite der Grenze stehen viele Lastwagen und warten auf ihre Abfertigung. Mittlerweile ist es dunkel geworden, und bis zum Ziel sind es noch mindestens drei Stunden, wie ich von einem jugoslawischen Fernfahrer erfuhr. Aber die Strecke zieht sich. Arad ist noch relativ schnell erreicht, dann geht es weiter nach Deva. Die Straßen werden schmaler, die Schlaglöcher zahlreicher und die Bahnübergänge halsbrecherischer. Durch nächtliche Wälder, in denen die Nebel stehen, kurvt der Lieferwagen der Bettenfirma GEA seines Weges. Schwierig wird es immer dann, wenn vorne ein langsameres Fahrzeug unterwegs ist, das ich nicht überholen kann.

Die Augenlider werden schwer, ich kurbel die Scheibe hinunter, damit mich der kalte Nachtwind wach hält. Irgendwo hinter Deva fahre ich schließlich an eine Tankstelle, um mich bei einem eigenartig süßen Kaffee etwas zu sammeln. Zwei junge Leute sind dort, es ist schon lange nach Mitternacht, ich informiere mich über den richtigen Weg. Schließlich sitze ich wieder im Wagen, um den Rest des Weges hinter mich zu bringen. Die Beschilderung ist gut, ich folge den Wegweisern und erreiche schließlich mit einer Mischung aus Übermüdung und Zielfreude Alba Iulia.

Delia hatte mit mir ausgemacht, ich solle sie an der ersten großen Tankstelle in der Stadt anrufen und sie werde mich dann abholen. Aber sicher schläft sie schon, es graut bereits der Morgen. Vor mir wird ein einheimischer Wagen von der Polizei angehalten. An der Tankstelle lasse ich mir den Weg zum Ziel meiner Fahrt erklären, es sind nur noch ein paar Minuten. Der frühe Morgen ist frisch und graublau, die Straßenkehrer sind schon unterwegs, und wie ich zum letzten Mal abbiege, denke ich mir, daß ich gleich den Motor abstellen und mich auf die Beifahrersitze legen kann. Schließlich rumpelt der Wagen die letzten Meter über unbefestigten Boden, als der Nachtportier das graue Eisentor öffnet und diese Fahrt nun endlich fertig ist. Einige Zeit später liege ich in einem Gästebett und finde keinen richtigen Schlaf, weil sich im Kopf noch alles dreht.

Die Rückfahrt war weniger schwierig, weil es mit dem leeren Wagen an den Grenzen viel schneller ging. Alles in allem, mit Treibstoff, Öl und allen Gebühren hat die Fahrt 276 Euro gekostet. Weniger enervierend wäre sie natürlich gewesen, wenn ich den Wagen gleich in Österreich hätte verplomben lassen. Aber andererseits: Muß man das ganze Programm nicht doch einmal mitgemacht haben, wenn man sich Gedanken darüber machen will, warum es in diesem Land für Hilfsprojekte besonders schwierig ist? Bis Rumänien der EU beitreten kann, werden nicht nur die Straßen verbessert, sondern es wird von den Behörden auch einiges dafür getan, die bestehenden Probleme unter den Teppich zu kehren und weiter mit Grenzgepflogenheiten zu leben, die für die Reisenden und Frächter die pure Schikane sind und andererseits niemandem Vorteile bringen - höchstens dem kleinen Zöllner, der an jeder Fracht ein bißchen mitschneidet, weil er genau weiß, daß er nach dem EU-Beitritt keine Arbeit mehr hat. (agl)

Bankspesen: Wer kennt sich aus?

Aus gegebenem Anlaß bereitet der Curierul Binevoitor eine Übersicht über die momentanen Möglichkeiten vor, Geld von Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Rumänien zu transferieren. Der eine Grund ist die in diesem Sommer erfolgte Änderung der Bankgebühren für innergemeinschaftliche Überweisungen, die eventuell auch begleitende Änderungen im Zahlungsverkehr im Gefolge hatte. Der andere Grund ist der Hinweis einer Helferin aus Nordrhein-Westfalen, "von 1.000 Euro kommen bei Banküberweisung normalerweise nur 850 in Rumänien an." Eine transparente Übersicht über die Möglichkeiten und die dafür jeweils anfallenden Gebühren für den Absender und den Empfänger des Geldes ist deshalb im Interesse der Spender und der Zielgruppen dringend nötig.

Die Redaktion bittet alle Leser, bereits vorhandene Informationen darüber mitzuteilen sowie nach Möglichkeit weitere Informationen bei den entsprechenden Stellen einzuholen. Konkret wollen wir wissen, welche Gebühren bei folgenden Methoden insgesamt anfallen:

leer Einschreibbrief

leer Geld-/Wertbrief

leer Banküberweisung

leer Auslandspostanweisung

leer Paypal (Geldtransfer mit Mobiltelephon)

leer Barbehebung in Rumänien von hiesigem Konto

leer Verrechnungsscheck

leer American Expreß-Reiseschecks

leer Western Union Money Transfer.

Wir wollen aus diesen Informationen eine Tabelle zusammenstellen, die dann von allen genutzt werden kann. Bitte helfen Sie mit einer kleinen Teilrecherche.

Impressum

Redaktion und Gestaltung: Alexander Glück M. A. (agl)

Gudrunstraße 156/9, A-1100 Wien
Tel. 0043-1/9418447
eMail: glueckwien@gmx.at
Internet: www.rumaenienhilfe.de.tt

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Silke Glück

Ende des Curierul Binevoitor                                                                                           

Elvis Villa Hostels Romania

Während in ländlichen Gebieten fast überall preiswerte Unterkünfte zu finden sind, ist das in den Großstädten schon schwieriger. Eine günstige Möglichkeit bieten die Elvis`Villa Hostels. Für 12 Euro im Mehrbettzimmer kamen wir in Bukarest unter, inclusive Freigetränk, 1 Std. Internet, Waschmöglichkeit usw. Weiteere Infos und Reservierung unter www.elvisvilla.ro email elvis@elvisvilla.ro (bitte in englisch) Adressen: Bukarest:  str. Avram Iancu 5, sector 2, Bucuresti, Tel. 021 / 312 16 53

Braşov / Kronstadt: str. Democratiei #2B (Nähe Piaţa Unirii), Tel. 091 / 844 940

Sighisoara: str. Libertatii 10, 250m westl. vom Bahnhof, Tel. 065 / 772 546

Partner für Jugendaustausch gesucht

Einen engagierten Verein, der Ferienlager in Rumänien für einheimische und ausländische Partnervereine veranstaltet, konnte ich in diesem Sommer kennenlernen. Dieser Verein ist sehr interessiert, weitere Partner auf diesem Gebiet zu finden (EU-Förderung möglich). Die Adresse: FRCCF Oradea, str. Avram Iancu nr.2, ap.8b, RO-410094 Oradea, Tel. 0259 / 417 111 oder 435 852 (Der Verein ist dieses Jahr in der gleichen Straße ein paar Häuser weitergezogen, ich weiß nicht ob dieses schon die neue Hausnr. ist - aber ich  denke die Post wird es finden)

Themenreisen und Spenden: Gaea Tours Der Schweizer Reiseverantalter GAEA TOURS positioniert sich mit neun wunderbaren Themenreisen als absoluter Rumänienspezialist für Kultur- und Naturreisen. Von 1994 - 2002 sind über 90.000 CHF an Hilfsprojektbeiträgen zusammengekommen, davon wurden 47.000 CHF in Rumänien eingesetzt. GAEA TOURS will diese Hilfe jetzt noch stärker betonen und verlangt je Reiseteilnehmer jetzt min. 100 CHF.

 

GAEA TOURS Hilfsprojekte

Die Schönheit und Naturbelassenheit der bereisten Länder darf uns nicht vergessen lassen, dass wir uns oft in armen, rückständigen, von der Regierung "vergessenen" Regionen bewegen. Diese Orte dürfen nicht touristisch ausgebeutet werden, deshalb helfen wir finanziell und materiell .

Erste Voraussetzung ist das persönliche Engagement der ProjektleiterInnen. (...)

Viele unserer Projekte laufen mehrjährig, anderen geben wir Starthilfe. Am liebsten sind uns überschaubare "Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte" mit optimalem Mitteleinsatz, Transparenz und minimaler Bürokratie. Wir besuchen die Projekte auf unseren Reisen, wo immer möglich. So erhalten unsere Kunden Einblick und Bezug zu ihren Spendenbeiträgen. Erfreulicherweise sind daraus oft weitere, zusätzliche Privatspenden hervorgegangen.

Projekte Siebenbürgen RO: Verein Thun hilft Rumänien

Seit 1990 unterstützt der Verein "Region Thun hilft Rumänien" unter Leitung der engagierten Krankenschwester Jrène Liggenstorfer höchst effiziente Selbsthilfeprojekte. Neben 64 (!) durchgeführten Hilfstransporten werden Armenküchen, Altersheime sowie Kinderheime des Stadtfürsorgevereins Schässburg unterstützt, ebenso Dorf- und Kinderdispensare und ein Schulungsfonds zur ausbildung sozial benachteiligter Kinder.

e-Mail: vrthr@hotmail.com , Spendenkonto PC-30 38220-1

Kinderprojekte in Moldau / RO

Dr. Alina Costa leitet in Vama (...) eine Art Internat für Kinder aus TB-ansteckender Umgebung. Sie verdient unsere Unterstützung, genauso wie die couragierte 70-jährige Ärztin Dr. Sfartz, welche in Pascani ein Heim für HIV-erkrankte Kinder führt.

Spendenkonto: GAEA TOURS, Migrosbank Zürich, Kto. 16.720.866.0/02, Vermerk "Vama" oder "Pascani"

Projekte Maramuresch / RO;  Verein Wassertalbahn, Bern

Im Jahr 2000 gründeten Unenetwegte um den Berner Fotografen Michael Schneeberger einen Verein, um die letzte Waldbahn Europas zu retten. Dabei geht es um das wirtschaftliche Überleben des ganzen Wassertals, welches nur per Bahn erreichbar ist, aber auch um (...) die Erhaltung der alten nostalgischen Loks als touristische Attraktion. Neben struktureller Unterstützung kommt punktuell auch medizinisch-soziale Hilfe dazu. Info: http://www.wassertalbahn.ch

Spendenkonto: Hilfe für die Wassertalbahn, PC-30-386848-7

Projekte Walachei / RO: Kinderheim Anne, Campina / RO

Noch in der Ceausescu-Zeit startete die Ärztin und Ordensschwester Maria Emanuela Zaharia ein "Kinderheim" in ihrer Bukarester Wohnung. Sie nahm einen Säugling und einen seelisch geschädigten Dreijährigen aus einem berüchtigten Kinderheim auf sowie eine fünfzehnjährige Kindmutter mit Baby. Inzwischen betreut sie mit einer weiteren Schwester zwanzig Kinder, die sich prächtig entwickeln (...).

Spendenkonto: GAEA TOURS, Migrosbank Zürich, Kto. 16.720.866.0/02, Vermerk "Kinderheim Campina"

Projekte Transsilvanien / RO: Rumänienhilfe Horgen

Seit 1990 ist ein unermüdliches Team um Ernst Fuchs für Cristuru Secuiesc im Einsatz. Ihr Projekt ist die Unterstützung des ungarisch-rumänischen Internats Orban Balazs mit 1.000 Schülern und 65 Lehrkräften sowie des Spitals und der Kindergärten. Was einst mit Hilfstransporten von Schulheften angefangen hat, ist längst zu einer umfassenden, der Bildung und Region zugute kommenden Unternehmung geworden. Info: Rumänienhilfe Horgen, Käpfnerweg 7, 8810 Horgen. Spendenkonto: Rumänienhilfe, PC-80-79766-1

Naturschutzprojekte / RO: WWF, CLCP, NP-Retezat

Im National Retezat unterstützen wir ein wissenschaftliches Murmeltierprojekt (http://www.retezat.ro) sowie das naturkundliche Schülercamp von Dr. Petre Stoinea.

Spendenkonto: GAEA TOURS, Migrosbank Zürich, Kto. 16.720.866.0/02, Vermerk "Murmeltier" oder "Schülercamp"

Mit den Wolfreisen unterstützen Sie das Carpathian Large Carnivore Project (CLCP) in Zarnesti. Info: http://www.clcp.ro

Die Spenden der Donaudeltareisen gehen an WWF-Projekte im Delta. Info: http://www.wwf.ch

Spendenkonto: WWF Schweiz, PC 80-470-3, Vermerk "Donaudelta"

Filmtipp: Zug des Lebens

1941 im von Deutschen besetzten Osteuropa (Rumänien!): Zunächst scheint es nur ein böses Gerücht zu sein, aber bald ist es ein unleugbarer Fakt: Die deutschen Nazi-Soldaten verschleppen komplette jüdische Dörfer, entvölkern ganze Landstriche. Dorfnarr Schlomo begreift als Erster, dass seine kleine Gemeinde auch bald an der Reihe sein wird. Er überzeugt den Rabbi, dass das Dorf unverzüglich handeln muss, um nicht ebenfalls Opfer des Nazi-Terrors zu werden. Beim schnell zusammen gerufenen Ältestenrat wird beschlossen, den Deutschen zuvorzukommen - mit einem eigenen Deportationszug, der sich natürlich nicht in Richtung Konzentrationslager, sondern vielmehr ins Gelobte Land Israel aufmachen soll. Die Bewohner werden unverzüglich in "Gefangene" und "Nazi-Soldaten" aufgeteilt. Letztere müssen erst mal richtig "deutsch" lernen. Als Lehrer steht der erfahrene Schmecht zur Verfügung, der den unwilligen Freiwilligen eine korrekte Aussprache und deutsche Zackigkeit beibringt.

Nachdem der "Deportationszug" nach und nach zusammengekauft und mit Hakenkreuzen geschmückt worden ist, geht es endlich auf die große Reise in die Freiheit. Allerdings gibt es auf dem Weg dahin viele Abenteuer zu bestehen. Nicht nur misstrauische Nazi-Soldaten, sondern auch nationale Freiheitskämpfer sorgen für mehr als eine brenzlige Situation. Als ob dies nicht genug wäre, bricht im Zug auch noch der Kommunismus aus. Da passt es leider gar nicht, dass sich die als Nazi-Bewacher verkleideten Juden unter der Führung des autoritären Mordechai ein bisschen zu sehr mit ihrer Rolle identifizieren.

Zug des Lebens - Spielfilm, B, F 1998 Länge: 100 Min.

Darsteller: Lionel Abelanski (Schlomo), Rufus (Mordechai), Clement Harari (Rabbi),Michel Muller (Yossi), Bruno Abraham-Kremer (Yankele), Agathe de la Fontaine (Esther),Johan Leysen (Schmecht), Marie-Jose Nat (Su ra)

Buch: Radu Mihaileanu, Musik: Goran Bregovic Orginal Titel: Train de vie Regie: Radu Mihaileanu

Sehr geehrter Herr Merker,

Ich bitte Sie meine Replik  auf den in der Ausgabe 15.veröffentlichten Text "Die Haiduken der Jahrtausendwende?" ,zu veröffentlchen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrer sehr guten und interessanten Publikation und verbleibe mit besten Grüssen,   Edouard Lalou (per email)

Antwort auf den Text

"Die Haiduken der Jahrtausendwende?" 

Ich halte den Text für einen schmutzigen Propagandastück, allerdings professionell fabriziert.

Schmutzig, weil offensichtlich gelogen, propagandistisch, weil mit der klaren Intention geschrieben, Rumänen als Diebe und Schwerverbrecher darzustellen.

Dabei weiß der Autor sich gut dem journalistischen Arsenal zu bedienen. So berichtet er z.B., Gespräche mitgehört zu haben, wo Dorfbewohner des Dorfes Giulesti in Maramuresch (Nordrümänien) mit unwahrscheinlichem  Zynismus über ihre Verbrechen in Deutschland und Frankreich erzählen: Diebstähle, aber auch organisierte Kriminalität. Mehr noch, der Autor selbst mischt sich unter den Einheimischen, spricht mit ihnen, sammelt Informationen aus erster Hand über ein Dorf voller Krimineller.

Ich glaube nicht, dass der Autor Rumänisch kann und bin auch davon überzeugt, dass er seine schrillenden und unheimlichen Figuren ( "Mihai, ein junger Mann mit blonden Haaren", "Lucian,der seiner Frau einen Fernseher mit Bekannten geschickt hatte, der hohl war und voller Schmuck", "Gheorghe, der drei Jahre in Frankreich zum Stehlen war",  die kollektive Figur der "Männer im schummrigen Licht, die Geschichten von ihren Diebstählen in Deutschland und Frankreich erzählen") bzw. ihre Behauptungen einfach frei erfunden hat.

Die Placierung der Geschichte in einem konkreten Dorf Rumäniens und die Erfindung namentlich genannter Figuren (wer in der Welt würde dies schon nachprüfen ?!) sollte einen "authentischen" Hintergrund bilden, welcher der ganzen Konstruktion zur Glaubwürdigkeit verhelfen soll.

Die Tarnung des Propagandatextes als Reportage sollte übrigens einen zweiten, noch wichtigeren Zweck erfüllen: die Übertragung der "authentischen" Informationen des Dorfes Giulesti auf ganz Rumänien. Bereits im ersten Satz der "Reportage" wird festgestellt, dass dieses Dorf der Diebe und Verbrecher - "ein ganz gewöhnliches Dorf im Norden Rumäniens" ist. Damit ist schon alles gesagt: die Menschen aus dem Dorf Giulesti und ihre Verbrechen besitzen eine geradezu archetypale Beispielkraft: so wie in diesem Dorf geht es in ganzem Lande...

Dabei geht der Autor ganz explizit vor: über den ganzen Text hindurch wird nahtlos von den Giulesti-Bewohnern  generell zu den Rumänen übergegangen. Fast Absatz für Absatz wird alternierend über die "Kriminellen aus Giulesti"und über "das kriminelle Verhalten" der Rumänen berichtet. Die journalistisch gekonnte Verzahnung von "konkreten" Hinweisen aus einem rumänischen Dorf mit generellen Behauptungen über angebliche Verbrechen der Rumänen soll die ganze Konstruktion authentisch und glaubwürdig machen. Dabei fungieren die freierfundenen Figuren von Giulesti als Verstärker, welche den anderen, noch unglaubwürdigeren und aus der Luft gegriffenen "Tatsachen" über Rumänen Gehör verschaffen.

So erfahren wir über Hunderte von Rumänen, die allein in Frankreich, "in eng belegten Zimmern” sich nur zum Stehlen aufhalten, über Busse voller Minderjährigen, welche nach Frankreich zum Stehlen geschickt werden, über viele neue Häuser und Autos, die von Diebstahl im Westen ergattert wurden, über Rumänenbanden, die mit der Mafia zusammenarbeiten. Die Behauptungen sind allerdings derart unpräzise formuliert, dass eine direkte Verantwortung des Autors relativiert werden kann, was auf einen Profi schließen lässt.

Der Schluss setzt sich fast von alleine durch: viele Rumänen "sind nach der Wende durch derartige Aufenthalte wohlhabend geworden”. Der Grund liegt auch auf der Hand: Rumänen wollen "ihren Lebensunterhalt ohne schwere Arbeit finanzieren”, auf unsere Kosten, versteht sich.

Die Liste der surrealistischen Behauptungen über das kriminelle Verhalten der Rumänen ist länger und ich möchte nicht auf alle eingehen, weil der Text noch weiteres zu bieten hat. Er beschränkt sich nicht nur auf eine Phänomenologie des rumänischen Verbrechens, sondern beschert uns auch mit einem Erklärungsrahmen für die kriminelle Natur der Rumänen. So lernen wir, dass die Kirche (orthodoxe, wie sonst) sehr wohl vom kriminellen Verhalten der Rumänen weiß, dabei aber ein Auge zudrückt, ja davon auch kräftig profitiert. Die Rumänen sind kriminell weil bei ihnen eine Tradition des Raubens und Stehlens gibt, die sich bis in unsere Zeit fortgesetzt hat: "Natürlich hat all dies schon Tradition: Die Haiduken, Räuber,….".

Schon mal was ähnliches gehört ? Etwa "die Gewalttradition der Serben" ?! "Die slawischen Untermenschen" lassen grüßen. Welchem Gedankengut dieser Text verpflichtet ist, wird übrigens noch klarer bei manchem lächerlichen "Ausrutscher": die Rumänen werden als "die sonst eher sesshaften, gläubigen (orthodox meist) und clan-orientierten Bewohner" beschrieben. Also sind diese Rumänen doch eher sesshaft und nicht etwa alle Nomaden, aber immer noch irgendwie in Stämmen organisiert ! Dämlich.

Apropos Ausrutscher: manchmal, in der Hitze des Kreuzzuges gegen diese primitiven Bösewichter (denen geht es in unseren Gefängnissen viel besser als Zuhause !), vergisst man Grundregeln der literarischen Komposition, etwa die der Raum- und Zeiteinheit, nämlich, dass eine Figur, die jetzt und hier auftaucht, nicht im übernächsten Absatz nach 2000 Km versetzt werden darf, so wie dem armen Mihai ergangen ist: kaum war er in Giulesti und erzählte wie er so Parkometer, öffentliche Telefone und Fotoautomate vergewaltigt, als er schon aus Frankreich telefonieren musste.

Da ein Propagandastück mit Fakten nichts zu tun hat und seine Botschaft nur durch emotionale Vektoren transportiert, zeigt dieser Text in jedem seiner Sätze. Die Fiktion des elenden rumänischen Dorfes bietet ein einziges Bild des Grauens: düstere Gestalten im "schummrigen" Lichte erzählen von ihren Verbrechen, "abgewetzte” Menschen die sich nur voll betrinken, gewaltbereit, zynisch, dumm, böse und primitiv. Eine wahre Geschichte aus Draculaland !

Ich glaube nicht, dass es reicht, wenn man sich gegen solche Hass- und Hetzstücke nur mit Ironie wehrt. Deshalb möchte ich hier feststellen, dass nicht eine einzige der im Text aufgestellten Behauptungen ist, so wie im Text dargestellt, wahr.

Selbstverständlich gibt es auch eine rumänische Kriminalität. Es grenzt fast am Wunder, dass vor dem Hintergrund sich vertiefender und verbreitender Armut im Lande, die rumänische Kriminalität auf ein relativ tiefem Niveau laut UN- und EU-Statistiken bleibt, nämlich im unteren Drittel der europäischen Länder was die Anzahl und Gefährlichkeit der Verbrechen betrifft und somit weniger kriminell als manche reiche Länder. Rumänische organisierte Schwerkriminalität im Ausland ist nicht signifikant bzw. gar nicht vorhanden. Im Gegensatz dazu, sind Außenseiter aus Rumänien (ob Diebe, Kleinkriminelle, Bettler, etc.) sehr auffällig, weil laut, schlecht angezogen, ärmlich aussehend und nicht zuletzt auch, weil sie zumeist Zigeuner sind. Die Presse tut dazu auch ihr "Bestes", schließlich leben sie davon. Nachrichten über organisierte bettelnde  rumänische Zigeuner gingen unlängst durch die französische Presse, wohl vor dem Hintergrund innenfranzösischer politischer Kämpfe. Ich selber konnte in diesem Sommer beobachten, wie drei rumänische Kinder (12 - 14 Jährige) einen Parkometer auf einer Pariser Strasse anzuzapfen versuchten.   

Es gibt aber in Rumänien keine Tradition des Stehlens und Raubens, keine rumänischen Dörfer, die ganz oder auch z.T. vom Stehlen leben, keinen auf Stehlen im Ausland aufgebauten Wohlstand, keine laxe, ja komplizenhafte Haltung der Kirche gegenüber Verbrechen, keinen organisierten Export von Kriminalität und überhaupt, keine endemischen formen des Verbrechens. 

Charakteristisch für schmutzige Propagandastücke wie "Die Haiduken der Jahrtausendwende?" ist die Vermischung von realen und erfundenen Elementen (in einer Proportion von 10%  - Wahrheit zu 90% - Propagandalügen): das Ganze wird dann als hautnahe, authentische Reportage präsentiert und mit "Erklärungen" und "Analysen" gespickt, welche den Leser zu dem gewünschten Schluss bringen soll. In dem Fall von "Haiduken", ich glaube aber, dass sich der Autor sich doch ein wenig vergaloppiert hat: so übertrieben, unglaubwürdig und hasserfüllt kann ein Propagandastück sein Ziel sogar bei ahnungslosen Lesern kaum erreichen.

Interessant, dass die in der "Vorbemerkung" aufgeführte Schilderung der Situation eines rumänischen Dorfes aus der tiefen Provinz korrekt scheint. Von zutreffenden Einsichten auszugehen, um dann an eine solch’ abartige Konstruktion zu gelangen, ist mir noch verwerflicher: der Autor hat wohl gewusst, was er tat.

Solange der Autor die Quellen seiner im Text angeführten Behauptungen nicht nennt und seine Recherchen nicht glaubhaft macht, bleibt das Stück "Haiduken" ein tristes Beispiel faschistoider Hetze.

Edouard Lalou

Mail von rennkuckuck: (Antwort auf die Antwort)

Hallo Edouard,

Andreas Merker (Herausgeber des Rumänien Rundbriefs) hat mir Deine Entgegnung zu dem Artikel "Die_Haiduken_der_Jahrtausendwende?" im Rundbrief Nr. 15 zur Veröffentlichung zugesandt. Diese Veröffentlichung möchte ich jedoch nicht unkommentiert realisieren:

Meine Meinung zum Thema ist folgende:

Der Artikel von Hellmut Schmitt ist nicht halb so abwertend, "schmutzig und

propagandistisch", wie Du ihn beschreibst. Ganz sicher kann man mir nicht vorwerfen, auch nur die geringste negative Einstellung zu Rumänien und seinen Bürgern zu haben - was meine WebSite klar beweist. (www.rennkuckuck.de - Anm. d. Red.) Dennoch kann ich Deine Formulierungen nur darauf zurückführen, daß Du allergisch darauf reagierst, wenn etwas Negatives im Zusammenhang mit Rumänien geäußert wird - so drastisch, wie Du den Autoren des betreffenden Artikels ohne Gegenargumente oder Sachbezüge versuchst niederzumachen.

Auch Andreas Merker ist definitiv frei vom Verdacht auf antirumänische Propaganda, trotzdem hat er diesen Artikel in den Rundbrief aufgenommen. Er ist wohl doch nicht so "aus der Luft gegriffen", wie Du meinst. Alle Freunde Rumäniens bzw. der Rumänen sind empört über die meist einseitige Berichterstattung hiesiger Medien. Das heißt aber noch lange nicht, daß das alles unwahr ist - es ist nur eben leider nicht objektiv! Daß sich rumänische Banditen in Westeuropa herumtreiben und den Ruf eines ganzen Volkes ruinieren, ist Tatsache. Du behauptest jedoch, daß das "zumeist Zigeuner sind" - damit tust Du diesem Volk das gleiche Unrecht, das Du dem Hellmut Schmitt vorwirfst. Du schreibst: "Rumänische organisierte Schwerkriminalität im Ausland ist nicht signifikant bzw. gar nicht vorhanden." "Gar nicht vorhanden" ist einfach unwahr und wo stand denn in dem Artikel etwas von "Schwerkriminalität"? Organisierte Kriminalität muß man aber schon feststellen, wobei sich da alle anderen (auch west-)europäischen Völker in keinster Weise hintenanstellen!  Du schreibst auch: > ... mit unwahrscheinlichem Zynismus über ihre Verbrechen ...  ... Ich glaube nicht, dass der Autor Rumänisch kann ...Du kennst ihn nicht und warst nicht dabei. Also was hat Dich veranlaßt, diesen Artikel, aus dem zwischen den Zeilen nicht wenig Symphatie spricht, so vehement entgegenzutreten? Schreibe doch bitte auch mal was über Dich, woher Du weißt, daß das "freierfunden" ist. Ich freue mich auf eine rege, aber bitte stichhaltige Diskussion. Gruß Rennkuckuck (rum.-orth. Leon)

mailto:reti@rennkuckuck.de

Nach der Ankunft in Rumänien

... augenscheinlich eine elektrische Schreibmaschine, eine alte, eine "Adler", die jetzt vor dem Fenster steht und.ab und.zu hakt. Deshalb diese Punkte.

Die Abendsonne verschwand gerade vor dem Fenster. Ich blicke auf einen Straßen-Blinddarm, wo sich einige Autos, Neubauten (direkt gegenüber in der geglückten Bauhaus-Form) tummeln. Dazwischen ein paar Birken, ein Blick zu den Cibins-Bergen sowie der Nachbar, der gerade an seinem hellblauen Trabant bastelt. Es ist ruhig hier und es ist Hermannstadt. Warum Stadt, werden einige fragen, warum nicht Michelsberg, warum nicht im Dorf?

Ich sitze auf dem Kissen der Couch der DDR-Botschaft und sinniere.

Hannelore hatte mir (Farbbandwechsel) zwei Zimmer in ihrer schönen Wohnung im ersten Stock, gut gelegen und mit angenehmer Atmosphäre, angeboten. Denn von den Deutschen wird hier jetzt viel Geld verlangt, auch in Michelsberg. Und dann wäre noch der Faktor "Kultur und Gespräch", der auch nicht zu verachten ist, das städtische Rumänien, ganz im Umfeld der deutschen Zeitung, für die sie arbe(tet. Und so waren wir am Sonntag schon beim Frühjahrstreffen der Mediascher Diaspora, wohin alle Evangelischen der unzähligen Gemeinden der Umgebung zusammenkamen und so endlich einmal das große Kirchenschiff der Mediascher Stadtkirche füllten. Man beriet sich, sang, aß und betete, saß in dem riesigen Kirchenhof zusammen. Sehr viele alte und auch arme Leute aus den Dörfern, abgearbeitete Gesichter, zum Teil verhärmt und erstarrt durch die erlittene Einsamkeit. Doch der Ton war frisch, man wollte etwas vom anderen wissen und plauderte unter den lang erwarteten Strahlen der ersten Frühlingssonne. Die jungen Pfarrer waren sich nicht zu schade und kümmerten sich um alles.

Mediasch, völlig verträumt, nur wenige Menschen, es ist orthodoxes Osterfest, man ist bei der Familie. Noch kurz zu den Baiers nach Schäßburg auf einen Kaffee - sozusagen als Antrittsbesuch, das war mein Wunsch. Außerdem ist es immer spannend, das Neueste von Aurelian zu hören, dafür ist mir kein Weg zu weit. Wir haben uns schon auf einige der abgelegenen Dörfer geeinigt, die wir gemeinsam besuchen wollen. Auch interessiert ihn das lebendige Handwerk, ein neuer Aspekt.

Die Fahrt zurück in die Dunkelheit war wie immer: die Landstraßen ersaufen im Schwarz, Radfahrer ohne Beleuchtung, fehlende Straßenschilder, die Leute in den Straßen der Dörfer, ab und an schält sich die Gestalt des Dorfpolizisten aus den Silhouhetten und wendet sich wegen meiner Geschwindigkeit schnell wieder seinem Gesprächspartner zu. Der Wagen rumpelt über die unzähligen Schlaglöcher. Gott sei Dank keine unbeleuchteten Fuhrwerke.

Das Auto hat jetzt seinen Platz im Hof des Hauses, zwischen Kompost, Hühnerstall und einem aufgebockten Dacia, wird vom Haushund bewacht. Einer der Nachbarn strich sinnend um das Vehikel, welche Marke das wohl sei, es wäre nichts zu erkennen. (Dem Zöllner an der rumänischen Grenze war's genauso ergangen, er war erst mit dem Fahrzeugbrief zufrieden.)

Dabei war diesmal die rumänische Grenze direkt angenehm. Zwar Wartezeit von einer Stunde, aber bemüht, mit dem Andrang fertig zu werden. Die Ungarn hatten es diesmal auf mich abgesehen und ließen mich alles auspacken. Da war ich aber nicht der Einzige und es gibt noch mehr dieser Berichte. Jedenfalls hatte es sich sehr gelohnt, "ganz unten" entlang zu fahren. Vom Bandenwesen und raubritterartigem Gebaren auf den nördlicheren Transitwegen über Budapest ist die Rede und ich kann nur jeden eindringlichst davor warnen. Aber über Slowenien werde ich wohl auch nicht mehr so schnell meinen Weg machen. Der Diesel war so jämmerlich wie sonst das rumänische Benzin und die Straßen brechend voll - wohl weil dies jetzt der billige Transitweg aus dem Osten in den Süd-Westen ist. Also auch hier gibt's Überraschungen auf den ehemals verträumten Straßen.

Der Wechsel von Slowenien nach Südungarn wird immer noch von dem nach Rumänien übertroffen. Arad ist da immer noch der krasse Gegensatz - gerade bei einer Fahrt durch die Außenbezirke und dann zu den nachfolgenden Straßendörfern, wo die unfertigen Neubauten der Zigeuner in ihrer orientalisch-burgartigen Ausprägung die Dachlandschaften überragen.

Der nächste Morgen dann ganz langsam durch die Landschaften und Dörfer des Muresch-Tales, teilweise auf Kilometer überschwemmt, dann wieder dunstig und verzaubert. Manchmal wäre eine Filmkamera an der Windschutzscheibe schon der beste Informant. Tankstellen und Raststätten mit Hinweisschildern vor allem in türkischer Sprache bilden eine neue Zivilisation heraus. Dazu die vielen zu schnellen und überschweren Lastzüge aus ich-weiß-nicht-woher und wohin und weshalb. Wo bleibt die Offensive der europäischen Eisenbahnen?

Beim Blick aus dem Fenster legt sich gerade ein pfirsichfarbener Saum auf die Bergkette. Heute zog es mich zum zweiten Mal in den Schnee, für eine längere Wanderung. Es hatte die letzten vier Wochen nur geregnet und geschneit, Eisplatten auf dem Weg zur Hohen Rinne und zentimeterdick der Streusand. Die Schiläufer fanden sich ein, der Sessellift beförderte sie unter den viel zu lauten Klängen von "Radio Contact" auf den Bergrücken, voll mit wunderbar weichem Sulz. Wie ich kam, war der Schiverleih noch nicht geöffnet und so wanderte ich zu Fuß hinauf auf dem Weg in Richtung Cindrel. Weder Spur noch Markierung waren zu finden und so brach ich mein Vorhaben bald ab. Der Schnee war ganz unregelmäßig tragfühig, oft sank ich bis zu den Knien ein. Auf dem geräumten Waldweg ging es zwischen oft übermannshohen Schneewänden zur Talstation zurück - nicht bevor ich hinter der Sendestation eine Jause mit weitem Ausblick eingelegt hatte. Dass vier Hirtenhunde für den Touristen, der in jedem Fall an dem Stationsgebäude vorbeimuss, keine launige Abwechslung darstellen, sei nur am Rande vermerkt. Niemand pfeift sie zurück, man liegt wohl im Osterschlaf, im rechtschaffen verdienten. Für dieses Jahr muss ich mir doch noch ein Spray oder anderes Abschreckungsmittel zulegen und bitte um sachdienliche Hinweise !

Sibiu, Hermannstadt, 29.4.97

Zeilen aus den Randgebirgen Europas

Der Wagen rumpelt über die gewundene Straße. Vergeblich versuche ich den Schlaglöchern auszuweichen. Es sind einfach zu viele. Alles vibriert im Auto. Nur langsam gewöhne ich mich daran, wie an den Gegenverkehr, der, wie Haken schlagend, auf mich zu fährt. Schließlich lasse ich Luft aus den Reifen. Dabei war in den letzten Wochen ein Trupp mit Straßenwalze unterwegs um die größten Löcher aufzufüllen. Bis zu dieser Straße und in die Kreisstadt hat er's noch nicht geschafft. Aber einige der großen Transitrouten haben schon einen neuen Belag erhalten.

Vor der Windschutzscheibe eine Allee mit Obstbäumen, die sich bis zu den grün-blauen Hügeln zieht, dahinter ein schneebedecktes, zerklüftetes Bergmassiv in blassem Grau.

Noch Mitte Juni hatte es stark geschneit, in den Tälern gab es ausdauernde Regenfälle mit Überschwemmungen.

Bei den Nachrichten im Radio geht es immer an erster Stelle um die Aufnahme Rumäniens in die NATO. Die Präsentation der dazugehörigen Fakten erinnert mich stark an die Zeit unter dem Diktator. Natürlich ist die Presse - gerade nach den Wahlen im Herbst 96 - unabhängig. Und doch legt sich ein eigenartiger Beigeschmack über das Stakkato der Berichte. So als hätte Rumänien keine anderen Sorgen. Oder als hätten Russland und Rumänien noch immer eine gemeinsame Grenze, die "Pufferstaaten" Moldova und Ukraine wären noch nicht entstanden.

Die Angst vor "den Russen" hatte vor allem der Diktator den Rumänen eingebläut. So konnte er seine Variante des Nationalkommunismus durchziehen, mit Nordkorea, China, Albanien, später auch mit Staaten des Nahen Ostens und der Dritten Welt nach Belieben flirten und die Repression im eigenen Land rechtfertigen.

Es ist wie eine Krankheit, eine "Slawophobie", die in vielen Gesprächen zum Ausdruck kommt. Dabei gibt es verschiedene slawische Minderheiten: Im Norden die Ruthenen, im Donaudelta die Lipowener, im Westen Serben und Kroaten. Unzählige geographische Bezeichnungen sind slawischen Ursprungs, die ganze Kirchen- und Kulturgeschichte ist bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts voll davon - zumindest in der Walachei und Moldau, in Siebenbürgen und im Banat natürlich weniger.

"Was habe ich eigentlich vom Eintritt in die NATO?", fragt mich eine Kulturwissenschaftlerin, die sich mit einem monatlichen Lohn von DM 80,- kaum über Wasser halten kann.

Die Bergleute in den Kohlerevieren streiken für höhere Löhne, drohen mit einem erneuten Marsch auf Bukarest. Dieses Vorgehen erbittert manchen im Land, der mit dem Durchschnittslohn der Rumänen, knapp die Hälfte der Bergleute, auskommen muss - und dies auch bei gesundheitsgefährdenden Arbeiten.

Offiziell sinken derzeit die Arbeitslosenzahlen. In vielen Gesprächen geht es um weitere Entlassungen.

"Von den fast 5000 Arbeitern in den Heltauer (= Cisnadie) Textilfabriken sind gerade noch 1300 beschäftigt", höre ich von der Tochter des ehemaligen Walkmüllers. Ab 1. Juni musste auch sie von der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit wechseln.

Daei sind etliche der "Dinosaurier", der großen unrentablen Kombinate, noch am Dahinvegetieren.

"Wie die Leute es derzeit schaffen zu überleben, bleibt mir unklar", sagt mir eine befreundete Lehrerin, "gerade bei den Rentnern aus den Kollektivwirtschaften auf dem Lande, die von DM 25-35,- einen Monat lang auskommen müssen." Viele können nur durch Nachbarschaftshilfe und von ihrem Garten leben, aber auch dies wird durch die Inflation zunehmend schwieriger .

Die Busverbindung in die Städte, zu den Märkten, ist seit dem Umsturz nochmals eingeschränkt, zum Teil auch völlig eingestellt worden. In jedem Fall haben sich diese Kosten verdoppelt und verdreifacht seit der Benzinpreiserhöhung vom Februar diesen Jahres.

Und damals kippte der Kurs des LEU nochmals um ein Drittel, fast alle Produkte verteuerten sich und blieben auf diesem Niveau - auch nach der Intervention der Nationalbank, wodurch zumindest der Februar-Wechselkurs wiederhergestellt war.

An der Straßenkreuzung im nächsten Ort steht eine ganze Gruppe von Anhaltern. Ich kann nur vier davon mitnehmen, die anderen hoffen auf den nächsten Wagen.

Während der Fahrt entsteht eine lebhafte Diskussion über die gegenwärtige Regierung. Bei den Intellektuellen gibt es Verständnis dafür, dass man in einem halben Jahr keine Wunder erwarten kann. Man honoriert die Offenheit der Informationen von Regierungsseite. Bei einfacheren Leuten ist es oft schon in Verzweiflung über die Gegenwart umgeschlagen und man wünscht sich die "früheren Zeiten" herbei.

Anfangs dachte ich, dies wäre ein typisches Phänomen bei der älteren Generation. Doch auch jugendliche Arbeitslose schlagen einen entsprechenden Ton an: "Ceaucescu hatte nur den einen Fehler gemacht ..................."

Dieser einzige Fehler variiert: den Leuten nicht genug Nahrung gegeben zu haben, sie nicht ins Ausland reisen zu lassen, seine Frau in die Politik miteinbezogen zu haben.

Die anderen Fakten werden verdrängt - genauso wie der Zustand der damals schon abgewirtschafteten Industrie, die unter viel zu hohen Kosten produzierte, zum Teil auch heute noch.

Und jetzt kommt der große Drahtseilakt zwischen Öffnung auf den Weltmarkt hin bei gleichzeitiger Entwicklung nationaler, konkurrenzfähiger Produktion.

Unkalkulierbar bleibt dabei auch der Zeitraum, in welchem die rumänische Wirtschaft auf die Füße kommen soll. Und dies verunsichert auch die Leute im Auto.

"Warten wir den Herbst ab", äußert eine der Mitreisenden, "dann werden die neuen Energiepreise voll durchschlagen, Strom, Gas und Heizung werden abgerechnet. Vielleicht hat man die Kraftstoffpreise nochmals - wie im Regierungsprogramm angekündigt - erhöht, durch Abwicklung großer Betriebe noch mehr Leute entlassen. Ob dann die Rumänen noch stillhalten werden?"

Den Rest der Fahrt ins Gebirge kommt kein Gespräch mehr auf. Jeder macht sich seine Gedanken dazu. Einer nach dem anderen steigt aus. Die Frau mittleren Alters, die zuletzt sprach, gibt sich als  kritische Sympatisantin der PDSR Iliescus zu erkennen.

Am nächsten Tag in der Nachmittagssonne auf der hölzernen Veranda ein Gespräch über aktuelle Politik zwischen der Lehrerin und der Frau des orthodoxen Pfarrers in einem Gebirgsort im Westen Rumäniens. Es geht um die Rückgabe des Besitzes der griechischkatholischen Kirche, welcher nach Machtantritt der Kommunisten Ende der 40er Jahre konfisziert und der orthodoxen Kirche zugeschlagn worden war. Das Gesetz zur Regelung der Rückgabe bringt Teile der Orthodoxen auf. Die "Staatsreligion" scheint in Gefahr.

"Gottseidank sind es nur 14 griechisch-katholische Einwohner hier im Dorf", meint die Lehrerin, "ich habe gerade nochmals durchgezählt." Die Frau des Pfarrers nickt dazu. Und als wir auf die Schwierigkeiten des Alltags zu sprechen kommen, wird sie bestimmt: "So dauert es einfach zu lange. Von Oben angefangen bis Unten stehlen sie alle. Da müssen wir erst nochmal eine Revolution machen, dann wird sich wirklich was verändern. So dauert es doch noch über zehn Jahre bis es besser für uns wird."

Cisnadioara/Michelsberg, Ende Juni 97

 

Vom neuen Reichtum und neuer Armut

"Uns geht es recht gut hier in diesem Bergdorf, wir verdienen leicht 5-6 Mio. Lei (1250-1500 DM) im Monat, wir können nicht klagen. Schauen Sie, allein 24 Autos gibt es bei uns. Sie wissen, welchen Wert die heute darstellen. "

Vor 12 Kilometern war ich vom Ariesch aus in ein Seitental abgebogen, über eine holprige und morastige Forststraße auf die Höhe. Eine Streusiedlung aus 30 Häusern und einm kleinen Laden in welliger Landschaft. Viehweiden zwischen Buchenwald, die ersten Tannen. Seit meinem letzten Besuch '93 hat sich was verändert: Inzwischen ziehen sich gelbe Ränder die Wege entlang, abwechselnd mit bräunlichen Sägeabschnitten. Auch die Täler sind voll davon. Sägespäne in den Flüssen, auf den Wiesen, an den Wegrändern, teils angesteckt, kokelnd, teils goldgelb leuchtend. Eine Kreissäge, nein mehrere, gibt es in diesem Ort, und daher der Reichtum. Ich unterhielt mich mit einem der Besitzer.

Ist es denn Reichtum? Die Täler, die Bergrücken sind plötzlich voller Holzverarbeitungsmaschinen. Wo es noch keinen Strom gibt, dann mit Motorkraft .

In vielen Seitentälern des Ariesch kam der Strom erst seit der Wende, angeblich durch ein amerikanisches Förderprogramm. Holzeinschlag und Verarbeitung war bis Anfang der Neunziger striktes Staatsmonopol und verlor erst durch den Beginn der Rückgabe von Waldbesitz von seiner Geltungskraft.

Als ich vergangenen Herbst zufällig beim Autostopp vom Leiter einer Maschinen-Traktoren-Station im Norden des Landes mitgenommen wurde, erzählte mir der knapp Fünfzigjährige, er komme gerade vom deutschen Konsulat in Hermannstadt (Sibiu) und fahre jetzt nach Deutschland, wo er mehrere Sägegatter aus ehemaligen DDR-Beständen kaufen wolle. Die MTS lohne sich nicht mehr. Durch Parzellierung seien die Felder inzwischen zu klein, die Maschinen aber zu groß, die Betriebskosten für die neuen Kleinbauern von zwei Hektar zu hoch. Er verkaufe jetzt seinen gesamten Maschinenpark - außer den Planierraupen und den Lastwagen - und werde nur noch Holz verarbeiten.

Dies sei die einzige Verdienstmöglichkeit, die der Staat ihm noch erlaube. Er sei für 50 Leute verantwortlich, deren Familien bräuchten was zum Essen.

Diese Logik ist zwingend. Ans Aufforsten denkt er so wenig wie alle anderen im Land.

Ein knapp dreißigjähriger Müllerssohn im Westteil der Westkarpaten zerschneidet gerade den Ein-Hektar-Besitz seiner Vorfahren und verkauft ihn für 75-90 DM pro Kubikmeter; dies ist auch für Rumänien günstig. "Das Aufforsten ist kein Problem, das geht von ganz allein durch Samen", meint er ernsthaft .

"Was soll ich tun?", spricht der "Tafist", der Fahrer des Forstschleppers "TAF", "mit meinem Verdienst kann ich meine Familie unmöglich ernähren, gerade wo ich vor kurzem einen familiären Unglücksfall hatte. So ziehe ich ab und zu einen Stamm mit meinem TAF aus dem Wald herunter zur Säge."

Und da es fast allen so geht, lichten sich die Wälder, die privaten wie die staatlichen. Staatliches Holz wird gefällt, gesägt und verlässt, als privat gefälltes deklariert, in möglichst geschlossenen Last- und Lieferwagen die waldreichen Westkapaten.

"So viel Holz wi in den letzten vier Jahren hat man selbst unter Ceaucescu nicht geschlagen", sagen die einen.

"Nein, damals wurden ganze Hänge abgeholzt, jetzt dünnt man nur aus, das ist viel schonender", sagen die anderen.

Wie dem auch sei, die Sägereien schießen wie Pilze aus dem Boden, neue, prächtige Häuser entstehen in vielen der bisher abgelegenen Gebiete, die Wälder lichten sich, Überschwemmungen nehmen zu, die Sägeabfälle verschandeln ganze Landstriche. Ist das Reichtum?

"Sie dürfen das nicht mit westlichen Maßstäben messen", erklärt mir ein junger Mann, als ich gerade in Gîrda Sägeabfälle fotografieren will. "Das ist eine Mentalitätsfrage hier. Die Sägewerke würden ihre Abfälle liebend gerne umsonst abgeben. Aber der Transport in die Städte, zu den Heizkraftwerken, wäre so teuer, dass es sich einfach nicht lohnt. Wir haben praktisch keinerlei Industrie hier, der Boden gibt nichts außer Viehwirtschaft und Kartoffeln und von der Landwirtschaft kann man bei diesen Preisen sowieso nicht mehr leben. Sollte also eine Kontrolle kommen, wird sie so geschmiert, dass sie den Betrieb die nächsten drei bis fünf Jahre in Ruhe lässt. So ist unsere Lage heute." Ganz bedächtig waren seine Worte und die Verkäuferin, die sich aus ihrem Laden dazugesellte, nickt.

"Entschuldigen Sie bitte", murmelt der Kraftfahrer, den ich zusammen mit zwei weiteren Männern von der Stadt aus auf die Dörfer mitnahm, denn es ist üblich für die Mitnahme zu bezahlen, "auf dem Markt habe ich gerade für meine Familie zum Wochenende eingekauft und habe nicht mal mehr 500 Lei (17 Pfg.). Die hatte mir schon die Verkäuferin nachgelassen, als ich zu wenig Geld bei mir hatte."

An der Straße stehen fast alle und halten Autos an - vom Lehrer über den Geistlichen zum Studenten und Arbeiter, vom Bauern bis zum Arbeitslosen. Selbst Polizisten wollen gerne mitgenommen werden. Aber wie die Zigeuner drücken sie sich gerne um den üblichen Obolus, beanspruchen eine Sonderstellung.

Oft sind es interessante Gespräche, Varianten des Früher - Gut, Heute - Schlecht oder der Vergleich Rumäniens mit anderen Ländern, die immer wieder neue Facetten bilden.

Von der Kleidung, dem Gepäck, dem Geruch her wird die Armut des Landes deutlich. Und die meisten freuen sich richtig über die Mitnahme. Der öffentliche Transport hat sich verteuert und nicht verbessert. Das ist die bittere Wahrheit.

Eine eigene DACIA, der rumänische Renault12-Nachbau aus den 70er Jahren, bleibt für die meisten mit 5-6.000 DM unerschwinglich, der Geländewagen ARO mit 10-17.000 DM erst recht.

Im östlichen Teil des Hermannstädter Kreises, bevor das Cibin-Gebirge zum Sebeş-(=Mühlbach-)Tal abfällt, gab es im Kommunismus die reichsten Gemeinden: Poiana Sibiului und Jina. Sie heben sich auch durch ihr exponierte Lage auf dem Bergrücken von anderen begüterten Gemeinden im Tal ab.

Ende der 70er Jahre schienen mir die Schäfer neben der Nomenklatura die einzigen im Lande zu sein, die sich Hausbauten sowie ein Auto (möglichst den ARO, mit Dieselmotor) leisten konnten. Die Schäfer zahlten ihre Steuern und Abgaben, waren aber von der Bürokratie nicht präzis taxierbar. Die Größe der tatsächlichen Herden betrug ein Vielfaches und sie verstanden es, durch großzügige Geschenke an die lokalen Behörden sich günstige Weideplätze und Durchzugsrechte zu sichern.

Jetzt klagt man bei den Schäfern: Die Zahl der Herden sei kleiner, die Preise nicht mehr so kalkulierbar wie früher, vielen sei inzwischen der Schäfer zu teuer, sie halten ihre Schafe lieber selbst.

Der Augenschein in diesen Dörfern widerspricht dieser Klage: Die Gemeinden wirken in weiten Bereichen wie aufgestockt - ähnlich den Neubauten der Albaner in Tetovo/Mazedonien. Es muss einen Atavismus im Menschen geben, der sich durch Größe und Höhe der Behausung und dann vielleicht noch durch wertvolles Material ausdrücken will. Von einer Nutzfunktion sind diese Bauten weit entfernt. Häuser von 10-12 Zimmern sind keine Seltenheit, Marmorverkleidungen, bizarre Formen, orientalische Ornamente unterstreichen eine gewisse, spießige Konformität.arWie ich bei einer befreundeten Familie sehe, bewohnt man aber nur einen geringen Teil des Bauwerks, meist 2-3 Zimmer des ursprünglichen Hauses.

Durch Z_elstrebigkeit und Fleiß hat es auch die mir bekannte Zigeunerfamilie zu Wohlstand und neuem Haus in Poiana gebracht: vom Schneider zum Schafbesitz und dann zum Fellhändler und Ladeninhaber.

"Nicht nur in den Neubauten steckt das Geld der Leute, auch in den Tierfellen, die als Anlage gehortet werden, und zwei bis drei Autos findest du hier in jedem Hof", erfahre ich von ihm bei einem Besuch in seinem sauberen, gutsortierten Laden im Zentrum der Gemeinde. Dies ist der Bereich seiner Frau, die sich um alles bis auf den Wareneinkauf kümmert und einen langen Tag hat. Nach Ladenschluss meint sie nachdenklich: "Ich weiß nicht, unser Haus wird wohl nie fertig, es frisst uns noch die Butter vom Brot - so viel haben wir da schon hineingesteckt." Ein zweiter Laden ist schon in Planung.

So wie die Häuser in den Gemeinden der Hirten wachsen, schießen auch die Gebäude der Banken über die alten Zentren hinaus. Ohne Verständnis für die historische Bausubstanz oder Bauordnung verkörpern sie eine Avantgarde der Rücksichtslosigkeit, der skrupellosen Selbstdarstellung.

Ähnlich halten es die Neureichen in landschaftlich schönen Gebieten. Ganze Dörfer sind in Passgemeinden entstanden, von pompösen Marmorvillen bis zu geschmackvollen Holzbauten, im wesentlichen schwarz gebaut.

"Die Schwarzbauten abreißen?" Der Leiter am Kreisgericht schüttelt den Kopf. "Unsere Justiz ist nicht so effizient wie die in Deutschland."

Und als wir im Bus durch eine derartige Villensiedlung im Westen der Moldau, an den Wasserfällen der Putna, vorbeikommen, erzählen sich die Mitreisenden: "Alles Rechtsanwälte, Ärzte, Geschäftemacher, Gauner aus Galati, Braila und Constanta, die sich ihre Villen in den letzten drei Jahren hier herstellten."

Bei meinem nächsten Besuch, ein halbes Jahr darauf, bei der Überquerung des immer noch unasphaltierten Passes, mit einem jungen Mann als Mitfahrer, den ich von seiner Arbeit im ungarischen Gebiet als Wochenendpendler mit nach Hause nehme:

"Kein einziges Haus unter diesen Neubauten gehört einem Einheimischen, wir hätten gar nicht das Geld. Hier ist niemand rechtschaffen reich geworden."

"Immer die großen Hunde fressen das meiste Geld", meint dazu eine alte Bäuerin in den Westkarpaten und erzählt von den unzähligen Leitungsposten mit Bereicherungsmöglichkeit in der Wirtschaft sowie von den Gewinnen aus Pyramidenspielen.

"Es ist schon eigenartig hier, auch in Siebenbürgen", sinniert ein Freund bei diesem Thema, "die Menschen gönnen einem den Erfolg einfach nicht. Sie möchten, dass alle gleich bleiben. Dies trifft gerade auf die Sachsen zu, es ist keine typisch rumänische Einstellung." Als Architekt hatte er schon vor der Wende hart gearbeitet und sein Wissen und seine Verbindungen erfolgreich für seine kleine Selbständigkeit, ein Büro mit zwei Angestellten, genutzt. Dabei ist dieser Freund keinesfalls der Typ, der seinen Aufstieg zur Schau stellt. Das besorgen andere viel besser: mit neuen, schnellen Autos westlicher Provenienz mitten in die Fußgängerzonen, ohne Nummernschilder, mit überhöhter Geschwindigkeit, seltsamerweise nie kontrolliert, Einkäufe mit Riesenköter in den neuen Läden mit den teuren Waren.

Im Gebirge der Süd-Moldau sitze ich in der Sommerküche einer vom hohen Alter und der Arbeit gebeugten Bäuerin, die gerade zwei alte, ärmlich gekleidete Frauen zu Besuch hatte.

"Ich habe noch meine Rente von 150000 Lei (37 DM), die beiden haben gar nichts - obwohl sie ihr Leben lang hart schufteten. Soll ich sie verhungern lassen? Die Menschen sind schlecht geworden, ganz gottlos und schlimm. Jeder denkt nur noch an sich."

Zwischen Sibiu und Braşov eine Einladung bei einer Familie zur Übernachtung, die alle bis Anfang der 90er auf der inzwischen zerstörten LPG Arbeit hatten, jetzt frühpensioniert oder arbeitslos sind.

Eugenia, die Großmutter, war gerade mit ihrem Enkel beim illegalen Grenzübertritt nach Griechenland in Mazedonien aufgegriffen und mit einem Stempel im Pass (zwei Jahre Einreisesperre) abgeschoben worden. Zusammen mit 140 Rumänen hat sie viel Geld bei diesem Versuch als Wanderarbeiterin an die Schlepper verloren. Niculae, ihr stattlicher Mann mit dem kurzgeschnittenen weißen Haar, erzählt nach dem Abendessen: "Seit langem war ich mal wieder in der Kreisstadt und sah die Würste im Fleischladen. Von der Verkäuferin ließ ich mir ein fingerbreites Stück Salami abwiegen. 'Warum nur so wenig, Alter?', frug sie erstaunt. 'Weither vom Land komme ich und wollte nur mal wissen, wie diese Wurst noch schmeckt', war meine Antwort. Da erhielt ich noch einen Brotkanten als Geschenk dazu."

Noch klingen mir die Worte des Osteuropaexperten, Prof. Eichwede, in den Ohren, der zur Gefährdung der Gesellschaften durch mafiöse Strukturen und Spaltung nach lateinamerikanischer Besitzverteilung ausführte: "Zwei Drittel des Handelskapitals im England des 17. Jahrhunderts stammten aus der Piraterie und wurden dann in die Industrie investiert. So werden auch die Neureichen im Osten nach der Periode der hemmungslosen Bereicherung sich um gefestigte Zustände zur Sicherung ihres Reichtums kümmern."

Von diesem Zustand könnte aber Rumänien noch ein Stück weit entfernt sein. Eine tiefe Unzufriedenheit bildet den Grundtenor in breiten Teilen - in den Städten wie auf dem Land. Man lebte hier früher einfach besser und das wird nicht vergessen.

Dazu könnte noch ein Wesenszug des rumänischen Gemüts kommen, den ich den "albanischen Faktor" nenne. Er ist einerseits eine Art Selbsthass auf alles Rumänische mit seinen Unzulänglichkeiten, andererseits die Zerstörungswut des Verlierers, die sich gegen alles richten kann. Und dies gerade, wo man den Verlust der bisherigen Egalité - selbst wenn sie nur fiktiv gewesen wäre - so deutlich empfindet und auch ausdrückt.

"Viele sitzen hier auf gepackten Koffern, warten auf ein Visum in die USA, Kanada, Australien, um Geld zu verdienen", meint Ionel, der noch bei seinen Eltern mit einer kleinen Landwirtschaft lebt, seiner Schwester beim Hausbau hilft und beim Sägewerk der Forstverwaltung arbeitet. Dabei strahlt er übers ganze Gesicht: "Was soll ich im Ausland, mit so viel Geld? Hier habe ich alles, was ich brauche, hier bin ich König!"

Cîmpeni/Alba, August 97

COPILUL E.V., Hilfe für notleidende Kinder in Făgăraş/Rumänien

www.copilul.de

"Typisch deutsch" - nämlich "von bewundernswerter Hartnäckigkeit und Regelmässigkeit" nannte Dr. Ion Mehedinţu, Chef der Kinderklinik im Spital von Făgăraş/ Fogarasch, unsere Hilfslieferungen. Gemeint sind damit Sach- und Geldmittel, die unser Kinderhilfeverein seit seiner Gründung im Jahre 1994 als Ableger der "Siebenbürgenhilfe Großhansdorf" nicht nur seiner Klinik, sondern auch anderen Adressaten in der zentralrumänischen Kleinstadt spenden konnte. So stellte auch die Direktorin der örtlichen Sonderschule, Frau  Violeta Peptea, bei einem unserer regelmäßigen Besuche fest, dass ohne unsere Hilfen  die Schule einschließlich des Internats "es sehr, sehr schwer hätte mit nichts als den staatlichen Mitteln".

Frau Juliana Dul, die kommunale Sozialarbeiterin, kommt bei der grassierenden Not vor allem in den kinderreichen Familien mit den spärlichen Haushaltsmitteln hinten und vorne nicht aus. Durch unser Projekt Pflegefamilien helfen wir: Spender unseres Vereins geben solchen Familien Finanzhilfe, die fremde Kinder aufnehmen und ihnen so ein Heimschicksal ersparen.

Nach dem Exodus der Mehrheit der Rumäniendeutschen seit 1989  ist die deutsche evangelische Kirchengemeinde Fogarasch sehr klein geworden. Die Pfarrhäuser der umliegenden Karpatendörfer sind verlassen, stehen leer und drohen zu verfallen. Der Fogarascher Pfarrer, Dr. Johannes Klein, hat Erwachsene und Jugendliche aus Fogarasch und Umgebung dazu motiviert, ein solches verlassenes Pfarrhaus auf- und umzubauen zur Jugendbegegnungsstätte Seligstadt. Hier finden mehrmals jährlich interethnische Freizeiten als Beitrag zur Völkerverständigung statt.

Den Löwenanteil unserer Hilfen wenden wir der Diakonia Fagaras zu. Sie wurde gegründet auf Initiative von Rüdiger Frodermann, einem Diakon aus Bethel, der  6 Jahre lang mit seiner Familie hier lebte.

Von Anfang an war die Diakonia bemüht, sich selbst zu erhalten. Eine Schusterei, eine Bäckerei und Landwirtschaft in großen Gewächshäusern tragen dazu bei.

Die Diakonia hat im Nachbardorf Şercaia ein Kinderdorf für verlassene Kinder mit Behinderung gebaut. Hier werden mittlerweile 40 behinderte Waisenkinder von rumänischen Frauen betreut, die für diese Aufgabe gut ausgebildet wurden.

Zusammen mit "agape e.V. Lockhausen"

Haben wir das Projekt 100 Brote für Fagaraş begonnen: Seit August 2002 lassen wir täglich 100 Brote in der Bäckerei der Diakonia backen und nach einem Brotmarken-System kostenlos an die ärmsten Familien mit Kindern verteilen. Unsere Spender sind es, die immer wieder dafür sorgen, dass wir als Beteiligte an den oben beschriebenen Projekten weiterhin wie bisher beitragen können zur Hilfe zur Selbsthilfe.

Herzlichen Dank an alle -bisherigen und zukünftigen - Beteiligten!!

Copilul e.V. Hilfe für notleidende Kinder in Făgăraş/Rumänien

Ahrensburger Redder 21, D 22926 Ahrensburg - im Januar 2003 -

Spenderbrief Nr. 20

Das "Hamburger Abendblatt" vom 12. Dezember letzten Jahres titelt: "Deutschland: Kein Platz für Kinder?" und berichtet über den "Kinderreport Deutschland" des Deutschen Kinderhilfswerks. Darin heißt es unter anderem: "Trotz wachsenden Wohlstands haben es Kinder in Deutschland immer schwerer, altersgemäß aufzuwachsen. … (Sie) …finden keinen Schonraum, … würden wie kleine Erwachsene behandelt. Bereits mit zehn lösten sich manche vom Elternhaus, oft mit dramatischen Folgen für ihre Entwicklung. Die Symptome: Handys und eine mit Terminen gespickte ‚Freizeit’ …Schon ein Drittel der Kinder nimmt Medikamente, 25 Prozent leiden unter Allergien. …"

So viele und solche Probleme mit Kindern in Deutschland, trotz oder gerade wegen wachsenden Wohlstands!Wie muss es denn dann zugehen in Ländern mit wachsender Not…?

Rumänien ist - immer noch! - ein Land mit wachsender Not! Zwar gibt die Regierung sich Mühe, auf dem Weg nach Europa alle geforderten Kriterien zu erfüllen --- aber gerade dadurch ist sie gezwungen zu sparen, Lasten und Kosten zu verschieben. Das trifft vor allem die breite "Unterschicht", deren Lebensstandard sowieso erbärmlich ist.

Bei unseren Besuchen in Rumänien werden wir immer wieder konfrontiert mit der großen Not vor allem in Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern (im letzten Spenderbrief wurde geschildert, dass inzwischen Kinder aus solchen Familien die Heimkinder um ihr geregeltes Leben mit guten Mahlzeiten beneiden …!).

Wo immer wir können, versuchen wir, mit unseren Mitteln diese Not zu lindern:

?? Bei Herrn Dr. Mehedinţu in der Kinderabteilung des Spitals von Făgăraş;

?? bei Frau Prof. Peptea in der Sonderschule im Kombinat von Făgăraş;

?? bei Frau Dr. Strămtu von der Diakonia Făgăraş im Kinderdorf in Şercaia;

?? durch Herrn Stampf von der ev. Kirchengemeinde Făgăraş beim Projekt Pflegefamilien;

?? durch Frau Dul bei ihrer kommunalen Sozialarbeit an armen kinderreichen Familien;

?? durch Pfarrer Dr. Klein in der Jugendbegegnungsstätte Seligstadt;

?? und durch unser jüngstes und sehr effektives Projekt 100 Brote für Făgăraş!

Und wenn unsere Mittel auch noch so bescheiden sind: Durch  effizienten Einsatz kompetenter und engagierter Mitarbeiter vor Ort, durch die bescheidenen Ansprüche der Adressaten sowie durch das beträchtliche Währungsgefälle ist unsere Hilfe ungewöhnlich effektiv .Und was die bescheidenen Mittel angeht: Bescheiden sind sie nur gemessen am Bedarf, an der Not. Tatsächlich sind sie bemerkenswert groß dank immer wieder großartiger Spenden und großartiger Spender:

5.000 € vom Unesco-Lauf der Heimgartenschule Ahrensburg, 3.300  Euro, vom

Adventsbasar des Emil-von-Behring-Gymnasiums Großhansdorf, 2.000  €, 1.000 €, 500 € von privaten Einzelspendern - alles allein im Monat Dezember 2002!!! Und dazu kommen die vielen, vielen und in der Summe dann auch wieder beträchtlichen kleineren Spenden - und vor allem und außerordentlich wichtig für unsere langfristigen Projekte die Spender regelmäßiger monatlicher Beträge!

Nur durch die Summe aller dieser wunderbaren Anstrengungen können wir (die aktiven Helfer im Verein) die begonnene Arbeit weiterführen und den Adressaten unserer Hilfe solange Unterstützung gewähren, wie sie brauchen bis zu dem Punkt, wo sie aus eigener Kraft weitermachen können.

Beeindruckende Bilder zu dem Projekt 100 Brote für Făgăraşsind auf der Homepage unseres Projektpartners "agape e.V." zu sehen: www.agape-rumaenienhilfe.de. Mit agape teilen wir uns die Kosten von rund 1000 Euro im Monat. Für dieses Geld werden seit August 2002 in der Bäckerei der Diakonia Făgăraş täglich zusätzlich zum Tagespensum 100 Brote gebacken und nach einem Brotkartensystem kostenlos an die hundert ärmsten Familien mit Kindern verteilt.

Übrigens hat dieses wunderbare Projekt eine ‚unrühmliche’ Vorgeschichte, die zeigt, wie schwierig selbst die bestgemeinten Hilfsangebote sein können: Die Projektidee Schulspeisung für arme Kinder in Şercaia beruhte von Anfang an auf einem Verständigungsfehler:

Tatsächlich gibt es keinerlei Schulspeisung in Şercaia, auch nicht gegen Bezahlung, sondern: Die Diakonie-Bäckerei Făgăraş beliefert einen Laden nahe der Schule in Şercaia mit Backwaren, auch "Kipfel" u.ä., die manche Schulkinder sich in Pausen kaufen (können). Da es mittlerweile in Rumänien seit Anfang 2002 ein staatliches Programm "Jeden Tag ein Glas Milch und einen Kipfel für jedes (Unterstufen-)Schulkind" gibt, schien uns unsere Idee nicht mehr so dringlich und es entstand das oben beschriebene Brot-Projekt.

Zum Thema "schwierig": Auch unsere Projektidee Wolle ist nach ausführlichen Vorbereitungen aus Krankheitsgründen steckengeblieben. Übrigens: Ein Bericht in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" vom 6. 12. 2002, S.5, über ein gleichartiges Projekt in Heltau zeigt, das mit bedeutend größerem Aufwand letztlich "nur" zwei kleine Nebenerwerbsstellen entstanden sind …nicht unbedingt ermutigend … Nicht entmutigen lassen wir uns bei der Fortsetzung unserer Anstrengungen bei den beschriebenen Projekten. Helfen Sie uns bitte, damit wir weiter helfen können…!!!

Übrigens: Der eingangs erwähnte Zeitungsartikel endet mit einem "…Beispiel für ein erfolgreiches Engagement von Kindern". Wo? ".. in der Provinz Belutschistan in Pakistan, wo Pfadfinder erreicht hätten, dass Mädchen zur Schule gehen dürfen.". Lassen wir uns die Kinder als Beispiel dienen und in unseren Anstrengungen nicht nachlassen!!!

Herzliche Grüße von Achim Keßler-Binder

Spenderbrief Nr. 21, Juni 2003

In einem Gemeindebrief las ich folgende kleine Geschichte:

Ein junger Mann betritt einen Laden. Hinter der Ladentheke steht ein Engel. Er fragt ihn: "Was verkaufen Sie denn hier?" Der Engel gibt ihm freundlich zur Antwort: "Alles, was Sie wollen." Darauf der junge Mann hastig: "Dann hätte ich gerne: Das Ende aller Kriege; Beseitigung der Armut; Ausbildungsplätze für Jugendliche;ein Ende der Arbeitslosigkeit ...". Da fällt ihm der Engel ins Wort: "Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen hier keine Früchte, sondern nur die Samen."

Erst im März war ich mit zwei aktiven Helfern unseres westfälischen Partnervereins "agape e.V." in Fagaras, um nachzuschauen, was aus unseren "Samen" geworden ist, und um unsere Projekte und Ideen voran zu bringen: Aus 100 haben wir 200 Gratis-Brote für arme Familien mit Kindern gemacht, Kosten für uns in 2003: 12.000 Euro. Danach stand vom 23. Mai bis zum 1. Juni die schon traditionelle Rumänienfahrt von "Siebenbürgenhilfe Großhansdorf" und "Copilul e.V." auf dem Programm: fünfzehn Menschen zwischen 24 und 65 Jahren fuhren mit fünf Camping-Testfahrzeugen (gestellt von Auto-BILD) bei herrlichem Wetter gut 5.000 km (hin und zurück) quer durch Deutschland, Österreich, Ungarn und halb Rumänien bis in den Karpatenbogen zu unserem Zielort: Die Kleinstadt Fogarasch/Fagaras, ca. 40.000 Einwohner, geprägt von einem Chemie-Kombinat mit (vor der "Revolution") ca. 18.000, heute noch knapp 1.600 Angestellten und Arbeitern....

Vor Ort standen uns ganze vier Tage zur Verfügung, um alle unsere Adressaten und Projekte zu besuchen, zu besichtigen, zu beurteilen, zu befragen, zu unterstützen - viel zu wenig Zeit, als dass jeder alles hätte mitmachen können! Aber: Gewitzt durch alljährlich das gleiche (Zeit-)Problem, hatten sich schon vor der Ankunft in Fagaras alle Teilnehmer für jeweils einzelne Interessen-Schwerpunkte entschieden. Und so konnten wir tatsächlich alle unsere selbstgestellten Aufgaben erfüllen. Ausführliche Berichte werden ab Anfang Juli im Internet unter www.copilul.de/Aktuellzu lesen sein.

Hier also in gedrängter Kürze die Ergebnisse:

In der Dystrophie des Spitals Fagaras werden zur Zeit vierzehn Kinder aller Ethnien medizinisch versorgt und 'aufgepäppelt'. In finanziell und personell angespannter Situation sind unsere Hilfen (1,5 Stellen für heilpädagogisches Fachpersonal; Desinfektionsmittel, Baby-Waagen, Babykleidung, Bindeslips, Baby-Cremes und -Öl, Milchpulver, Geld für Medikamente) überlebenswichtig für die Station. Neben vielen gespendeten Sachmitteln haben wir hierfür an Bargeld allein knapp 4.000 Euro einsetzen müssen.

In der Sonderschule im Kombinat Fagaras mit zur Zeit gut 180 Schülern, davon 83 im schuleigenen Internat, ca. 100 Externe, konnten wir neben gespendeter Second-Hand-Kleidung, Spiel- und Bastelmaterial sowie Verbrauchsmaterialien auch wieder eine Bargeldspende in Höhe von 1.300 Euro ankündigen. Im Vorjahr war eine ähnliche Summe z.B. dafür ausgegeben worden, einen aus England gesendeten Kleinbus von Rechts- auf Linkssteuerung umzubauen. Besondere Freude löste die Ankündigung aus, dass die "Siebenbürgenhilfe Großhansdorf" für das kommende Schuljahr die Kosten in Höhe von ca. 1.200 Euro dafür übernehmen wird, dass den externen Schülern (von denen etliche täglich ohne Frühstück in die Schule kommen!) je Schultag am Vormittag ein "Kipfel" in auskömmlicher Größe und Qualität ausgegeben werden kann.

Die Diakonie Fagaras (ausführliche Informationen sind zu erhalten auf der Homepage unter www.agape-rumaenienhilfe.de) hat uns wieder durch erstaunliche Arbeit und entsprechende Fortschritte beeindruckt: Gegründet 1996 von Repräsentanten verschiedener deutscher und rumänischer Glaubensgemeinschaften und Ethnien, widmet sie sich mit zur Zeit 46 Angestellten vorwiegend der Hilfe für Menschen mit Behinderung. So gewährt sie in der Einrichtung "Canaan" im Nachbardorf Schirkanien/Sercaia zur Zeit 40 zum Teil von ihren Eltern verlassenen Kindern mit Behinderung zwischen fünf und fünfzehn Jahren Wohnung, Pflege, medizinische und therapeutische Betreuung und Bildung in eigenem Kindergarten und in einer Sonderschulgruppe. Auf dem gleichen Gelände und auf gepachteter Nutzfläche betreibt sie eine kleine Landwirtschaft zur Selbstversorgung und zur Gewinn-Erzielung, um zu den Kosten der Einrichtung beizutragen. Zur Vermarktung ihrer Produkte, zur Einrichtung einer Großküche, zru Unterbringung einer Zentralheizungsanlage und als Entlade- und Lagerraum für die monatlichen Secondhand-Kleidertransporte wird gerade eine riesige Halle gebaut, zu deren Finanzierung wir mit 10.000 Euro beitragen werden als Hilfe zur Selbsthilfe.

Neben unseren übrigen Projekten, die wir allesamt in guter Verfassung vorfanden und auch weiterhin zuverlässig mitfinanzieren (Jugendbegegnungsstätte Seligstadt mit 5.000 Euro, dreizehn Pflegefamilien im Patenprojekt mit insgesamt 4.100 Euro, kommunale Sozialarbeit mit 2.500 Euro) und zum Teil mit Sachspenden versorgen, haben wir eine neue Aufgabe übernommen:

In der Primarschule Sercaia (=Grundschule) gibt es - wie landesweit - das Schulspeisungsprogramm "1 Kipfel und 1 Glas Milch für jeden Schüler der Klassen 1 bis 4". Aber auch die größeren Schüler haben Hunger, kommen oft "ungefrühstückt" in die Schule. Wir haben zugesagt, für das kommende Schuljahr für die ca. 150 Schüler der Klassen 5 bis 8 eine Schulspeisung in Form von einem mittelgroßen Kipfel zu finanzieren. Das kostet uns ca. 3.000 Euro - die wir noch gar nicht haben, für die wir neue Spenden einwerben müssen!! (...)

 Angesichts immer noch vorhandener, ja zum Teil neu entstehender Not in Rumänien (z.B. Krise der Krankenkassen und Krankenhäuser, verlassene Kinder in den Krankenhaus-Kinderstationen, wachsender Pessimismus der Bevölkerung ...) ist Hilfe immer noch und immer wieder nötig. Bitte helfen Sie (...) uns, weiterhin "Samenkörner" nach Rumänien zu tragen. Die Menschen dort sind es wert, dass man sich sorgend um sie kümmert.

Im Vertrauen auf Ihre bisher gewährte und zuverlässig fortdauernde Hilfe grüße ich Sie und bedanke mich von Herzen.

Ihr Achim Keßler-Binder

Spendenkonto: Sparkasse Stormarn, BLZ 230 516 10, Kto.-Nr. 900 33 293; e-Mail: info@copilul.de; Info: www.copilul.de

Concordia - Straßenkinder werden Hoffnungskinder

"Alle beneiden mich, weil sie schon so viele Haare hat und sehr schön ist", sagt Crenguza über ihr Kind. Wenige Stunden vor der Geburt war sie noch in einem Kanalloch und schnüffelte Lack, um zu vergessen, dass sich die Zeit der Niederkunft näherte. Crenguza hat das Schicksal des Straßenkindes. Die Mutter gestorben, die Familie zerbrochen, der Vater trinkt, er hat das Haus verkauft. Sie kam in Heime und ist ausgerissen, Schläge und Strafen begleiteten sie. Sie hat es geschafft, mit dem Zug nach Bukarest zu kommen und sich den Niemandskindern anzuschließen. Sieben Jahre lang habe ich gekämpft, um das Mädchen aus dem Dunkel zu befreien. Drogen und all der Dreck haben sie nicht losgelassen. Welche Macht kann dieses Mädchen retten?

Ich betrachte die zarten Fingerchen des Kindes. Sie könnten die Kraft haben, die wir jetzt brauchen. Seit der Geburt hat Crenguza den Drogen widerstanden, immerhin schon drei Monate lang. Sie pflegt sich und das Kind, auch wenn das noch gelernt sein will. Ihr innigster Wunsch ist: "Dass die anderen nicht über mein Kind lachen und sagen, du bist ein Straßenkind. Niemand soll zu mir sagen: Du hast ein Kind geboren und dann hast du es weggegeben. Andrea soll eine richtige Familie bekommen, fröhlich sein und nie einsam."

Im Sozialzentrum Lazarus werden Crenguza und die kleine Andrea zu den ersten Bewohnern gehören. Beide werden im Haus mithelfen und eine Aufgabe erfüllen. Wenn hundert Leute von der Straße einziehen, werden wir viele Hände brauchen. Am nötigsten gebraucht sind die Händchen des Kindes. Sie können uns vor der Gewalt der Straße schützen, die Verzweifelten trösten, die Kämpfenden besänftigen. Wie viel hat das kleine Kind schon für seine Mutter erreicht, mehr als wir mit allen unseren Kräften in den Jahren vorher! Wenn ich das bedenke, verliere ich die Angst vor dem Winter und vor dem Ansturm von der Straße auf unser neues Sozialzentrum (...)

Concordia - Straßenkinder werden Hoffnungskinder

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WINTER IN DEN KARPATEN

Nach den Alpen stellen die Karpaten die zweitgrößte Gebirgskette Europas dar. Kein Wunder also, dass der Wintersport hier lange Tradition hat, auch wenn das hierzulande eher unbekannt ist. In der Dezemberausgabe 1880 des Siebenbürgisch-Sächsischen Tagblattes wird der Schilauf erstmals in Siebenbürgen beschrieben. Bereits im Jahr 1910 wurde in Transsilvanien der erste Schiklub gegründet. Dabei gehen die Ursprünge des Schilaufs noch weiter zurück: Bereits im Mittelalter sollen die Bewohner der Waldkarpaten Schier zur winterlichen Jagd benützt und die Hirten der Maramuresch geflochtene Schneereifen verwendet haben. Einen nicht unerheblichen Beitrag zur Entwicklung des Wintersports in Transsilvanien leistete der Siebenbürgische Karpatenverein, ein Ableger des Deutschen Alpenvereins. Die wichtigsten Wintersportzentren Rumäniens liegen in den Südkarpaten: Poiana Braşov, Predeal, Sinaia und Busteni sind wohl die bekanntesten unter ihnen. Sie sind alle in unmittelbarer Nähe von Braşov (Kronstadt) gelegen und bieten neben präparierten Schipisten, teilweise sogar mit Flutlicht, alles, was zu einem richtigen Schiurlaub gehört: einen Eiskunstlaufplatz, ein Reitsportzentrum, Unterkünfte von der Privatpension bis zum ****Hotel, Restaurants, Diskotheken und folkloristische Veranstaltungen. Ausserdem erwähnenswert ist das Schigebiet Paltinis (Hohe Rinne), der höchstgelegene Kurort Rumäniens. Paltinis liegt nur 33 km von Sibiu (Hermannstadt) entfernt und hat neben zwei Schipisten mit Flutlicht vor allem für Tourenschifahrer und Langläufer viel zu bieten. Herrliche Winterwanderungen kann man auch im Fagaras-Gebirge sowie im Bucegi-Massiv oder dem Ceahlau-Massiv in den Ostkarpaten unternehmen. Kleinere Schigebiete findet man auch in der Apuseni-Region (Stana de Vale) und in der Maramuresch (Borsa) im Viseu-Tal. Auch wenn die Schilehrer oder Bergführer hier nicht "Sepp" heissen, ein Winterurlaub in den Karpaten bietet sicher eine interessante Alternative zum Schiurlaub in Österreich oder der Schweiz. Mehr Informationen finden Sie hier:
http://www.transylvaniatravel.net/aktiv/wintersport.html

REISETIPP: SCHIRUNDREISE SÜDKARPATEN

Eine sehr interessante Schirundreise, auf der Sie nicht nur die wichtigsten
Wintersportgebiete der Südkarpaten kennenlernen, sondern auch die herrlichen
ehemaligen Sachsenstädt Hermannstadt (Sibiu) und Kronstadt (Braşov), können
wir Ihnen gemeinsam mit einem Reiseunternehmen aus Sibiu/Hermannstadt
anbieten. Sie wohnen in ausgewählten *** Privatpensionen, wo Sie die
Gastfreundlichkeit der einheimischen Bevölkerung kennenlernen werden. Auch
ein Besuch der Törzburg - dem angeblichen Drakulaschloss - darf natürlich
nicht fehlen. Mit dem Besuch des Bulea Wasserfalls und dem Bulea
Gletschersee kommen auch die Naturliebhaber auf ihre Kosten.(...)
Mehr Informationen zur Reise: kontakt@transylvaniatravel.net

LITERATUR:

TRANSILVANIA-SIEBENBÜRGEN-TRANSYLVANIA

Taschenbuch 286 Seiten+Kartenanhang; 1. Auflage, 2002, ISBN 973-0-02712-9 Aktueller Reiseführer für Transsilvanien in drei Sprachen: Rumänisch, Deutsch, Englisch (in einer Ausgabe). Die Informationen sind übersichtlich nach Kreisen geordnet (von A wie Alba bis T wie Timis), dabei werden sowohl die Kreishauptstädte als auch die wichtigsten anderen Städte und Orte detailliert präsentiert (Anfahrt,  Bevölkerung, Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Adressen von Hotels, Pensionen, Restaurants und Reiseveranstaltern). Sehr praktisch finde ich auch den Kartenanhang. Mehr Informationen finden Sie hier: http://www.transylvaniatravel.net/service/reisefuehrer.html

Der Reiseführer kann im deutschsprachigen Raum exklusiv im Online-Shop von TransylvaniaTravel.net zum Preis von EUR 14,90 bestellt werden.

Ausserdem ganz NEU bei TransylvaniaTravel.net: WANDERKARTE "PIATRA CRAIULUI / KÖNIGSSTEIN" 1 : 30.000 Das Naturschutzgebiet um den Königsstein liegt in den Südkarpaten nahe Braşov und ist einer der interessantesten Massive für Wanderer und Bergsteiger. Hier befindet sich auch das Zentrum des europaweiteinzigartigen Forschungsprojektes wildlebender Wölfe, CLCP. Einige Wanderungen in diesem Gebiet sind auch im Winter möglich.
Wanderkarte 2001, Bel Alpin, Preis: EUR 6,60 Hier der Link: http://www.transylvaniatravel.net/service/karten/karten_wandern.html

Weitere neue Wanderkarten im Sortiment von TransylvaniaTravel.net: WANDERKARTE "BUCEGI GEBIRGE / MUNTII BUCEGI" 1 : 53.000 Diese Karte ist auch für den Wintersport nicht uninteressant, da die Wintersportorte Predeal, Azuga, Busteni und Sinaia in dieser Region (Prahova-Tal) zu finden sind. Auf der Rückseite deutschsprachige Beschreibung des Gebiets, Verzeichnis der Schutzhütten und Naturschutzgebiete, geschichtlicher Überblick und 33 Wanderrouten. Wanderkarte 1998, Bel Alpin, Preis: EUR 6,60 Hier der Link: http://www.transylvaniatravel.net/service/karten/karten_wandern.html

GUIDEBOOK UND WANDERKARTE "FAGARAS-GEBIRGE / MUNTII FAGARASULUI" 1 : 75.000 Detaillierte Routenbeschreibung von 55 Wanderrouten sowie ausführliche Gebietsbeschreibung in Englisch auf 32 Seiten. Topografische Karte mit Höhenlinien. Wanderkarte und Guidebook 2002, Bel Alpin, Preis: EUR 11,00 Hier der Link: http://www.transylvaniatravel.net/service/karten/karten_wandern.html

Im Wort und Welt und Bild-Verlag erschien kürzlich der Bildband "Hermannstadt und das alte Land" von Thomas Nägler und Martin Rill, Fotos von Georg Gerster und Martin Eichler 300 Seiten, 474 Farbabbildungen, ISBN 3-9807949-4-6, Preis: EUR 69,00 info@siebenbuergen-buch.de

LINKS
Ausführliche Informationen über den Wintersportort Poiana Braşov in deutscher Sprache finden Sie hier: http://www.poiana-Braşov.com Ein Kurzporträt von Paltinis (bei Sibiu/Hermannstadt) finden Sie unter http://www.sibiu.ro/ro/paltinis.htm (derzeit nur in Englisch) Eine Präsentation der wichtigsten Wintersportorte finden Sie unter http://www.mtromania.ro/oferta_ger/atractii/munte/rumaniens_karpaten.html

KURZ UND BÜNDIG  45 % aller Rumänen leben 2002 schlechter als im Vorjahr, 76 % halten die Politiker grundsätzlich für korrupt, 72 - 80 % haben kein Vertrauen in die Regierung, das Parlament und die politischen Parteien. Der IWF berichtet, dass Rumänien 2002 voraussichtlich 4,3 % und 2003 sogar 4,9 % Wirschaftswachstum haben wird. Die Inflationsrate wird für 2002 auf 24,2 %, für 2003 auf 19,1 % geschätzt (2001 waren es 34,5 %).

Übrigens: wenn Ihnen unser Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn weiter. Vielen Dank. Bis zum nächsten Mal! Christian Harfmann kontakt@transylvaniatravel.net
http://www.transylvaniatravel.net

Texte von Fridolin Boost

servus andreas, freue mich, dass ich den rundbrief erhalte. hab dich auch in meinen verteiler getan. und anbei sind auszuege aus meinen rundbriefen, die ich fuer geeignet halte abgedruckt zu werden. da ich weiss wie das ist mit dem kein feedback bekommen hab ich selber eine auswahl getroffen, schicke dir aber in der naechsten mail auch alle meinen anderen texte, wenn du die brauchen kannst feine sache und wenn nicht dann auch egal. pa frido

1. Leben im Kinderheim

Meine Kollegin hatte mich schon vorgewarnt. Nach einer 20-minütigen Busfahrt gingen wir noch 2 Strassen weiter zu Fuss bis zu Casa 6. Es kam mir wie eine halbe Weltreise vor, wir waren in Ferentari angekommen, einem Armenviertel mit vielen Romas (oder politisch unkorrekt: Zigeuner) und entsprechenden Sozialproblemen. Casa 6, ein Mädchenkinderheim, ist im Hinterhof einer Schule dort und sieht von außen wie eines dieser stinknormalen Blockhäuser aus. Aber innen kam die wirkliche Überraschung: die Eingangshalle des ersten Kinderheims, das ich sehe, ist aus echtem Marmor! Echter wohlgemerkt, nicht nur dieser Möchtegernmarmor aus besserem Plastik, so wie man ihn hier an jeder Bankfassade sieht. Und das in dieser Gegend.

Laut meiner Kollegin war das Kinderheim letzten Sommer noch eine ziemliche Bruchbude. Genau einer dieser Stolpersteine weshalb Rumänien nicht der EU beitreten darf. Da muss sich etwas ändern, sagte sich der Bürgermeister dieses Stadtbezirks, und renovierte mit Steuergeldern und mit wahrscheinlich schön viel Zuschuss der EU das Gebäude von Grund auf neu. Natürlich wie er wollte, nicht wie es laut der verantwortlichen Sozialarbeiter sinnvoll gewesen wäre.

Ich wollte etwas über das Leben in Kinderheimen erfahren, also machte ich das für mich naheliegendste, ich bot den Mädchen dort Englischkurse an. Die waren auch zuerst begeistert und offen, nur nicht gerade sehr seriös bei der Sache. Es war ihnen wohl nicht ganz klar, dass sie auch selber etwas machen sollten, regelmässig kommen sollten. Ausserdem war es wohl auch für sie eine so neue Situation wie sie es für mich war. Ich war nicht einer dieser bezahlten Erzieher, und wenn ich sagte "wenn das so weitergeht komme ich in ein paar Wochen nicht mehr", dann meinte ich es auch so. Viele hatten sich aus lernen etwas anderes vorgestellt, wahrscheinlich mit weniger denken verbunden oder so. Und manche waren mit dem Gedanken ’ich mache was ihr wollt’ anscheinend überfordert. Sie nahmen mich offen auf, ich redete viel mit ihnen und aß auch zu Mittag. Aber auch hier fiel mir zum Beispiel auf, dass mich Alex mit einem herzlichen Lächeln fragte was ich denn zu Silvester gemacht habe, und ich nicht mal antwortete, weil ich merkte, dass sie schon gar nicht mehr zuhörte und wohl an der Antwort von vornherein gar nicht interessiert war. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert, ich hab mich mit der Situation abgefunden, ich bringe denen die kommen was bei und hab auch nicht mehr die riesen Ansprüche mehr. Denn ein beträchtlicher Teil des Problems war wohl auch in meinem Kopf, ich wollte zuviel. Und ich verlangte anscheinend auch zuviel. Jetzt nehm ich es nicht mehr so ernst, und überhaupt, wenn alle gut gelaunt nach dem Kurs aus dem Zimmer gehen hab ich es richtig gemacht. Die Marmoreingangshalle stört mich jetzt genauso wenig mehr wie die Mädels, ich benutze nämlich wie sie auch nur noch den Hintereingang.

In den anderen Kinderheimen, in denen ich bisher war, haben sich meine Erfahrungen im Grunde bestätigt. Alles sieht recht gut aus, ist gut ausgerüstet, frisch angestrichen, renoviert. Den Kindern kann das recht egal sein, es fehlt trotzdem Personal. Oder die anwesenden Erwachsenen, die dafür bezahlt werden Erzieher zu sein, sind so hoch motiviert wie ihr Salär niedrig ist. Immer wieder an Weihnachten kommen nette Menschen aus dem Ausland, wollen ein paar Kinder lachen sehen und bezahlen dafür mit Spielzeug, Hygieneartikeln, Teppichen, was auch immer. Der äussere Eindruck gibt dabei meiner Ansicht nach ein verzerrtes Bild der Situation wieder.

Eines ist mir noch aufgefallen: Die Kinder sehen das Heim auch nicht als zu Hause an. Sie sind ’institutionalisiert’, für mich ein Schimpfwort. Als ich das letzte mal in Casa 3 war, wo ich einen Englisch- und einen Deutschkurs gebe, hatten 2 Jungen dort bei einem Kampf wohl mal eben das Doppelbett zusammengahauen und schliefen seitdem auf dem Sofa. Sie waren auch nicht besonders am Lernen interessiert. Als ich dann aber sagte, das ich nicht mehr kommen muss wenn sie eh keinen Bock haben, kam als Antwort, dass sie schon interessiert wären, weil sie ja doch nichts besseres zu tun haben als den ganzen Tag Fernseh zu glotzen. In Casa 3 sind auch die Probleme heftiger. Einige Jungen sind offenslichtlich sprachgestört, können nur 2 oder 3 Wörter auf einmal sagen wenn sie mit mir reden. Sie haben auch einen ganz anderen Umgangston miteinander. Ich wollte dort nicht aufwachsen.

Fridolin Boost - 4. Rundbrief 26.04 \ 04.05.2003 An alle Freunde und Bekannte, Unterstützer und Nichtunterstützer! Achteinhalb Monate meines Dienstes sind vorbei. Ich hab mir eine Auszeit genommen, um mal wieder zu mir selbst zu kommen. Bei der Gelegenheit hab ich auch gleich einen Rundbrief geschrieben.

Halbzeit

1. Überblick: Mitte August kam ich in Rumänien an. Nach Einleben und Sprachkurs kam das Einfinden in die Arbeit, was teilweise immer noch andauert. In der Zwischenzeit konnte ich meine Talente als Englischlehrer, Jugendgruppenleiter, Organisator und vielem mehr unter Beweis stellen, und war damit mehr als ordentlich beschäftigt.

2. Was sich bei meiner Arbeit getan hat Wie schon angekündigt habe ich mir eine Auszeit auf dem Land genommen, genauer gesagt in einem Fischerdorf im Donaudelta. Hab ich auch nötig. Ich hatte mich zwar längst daran gewöhnt ständig auf Achse zu sein, kaum freie Tage aber dafür oft Besuch zu haben, aber ich musste jetzt auch mal wieder davon weg kommen. Ich hatte mich eindeutig zu sehr in meiner Arbeit engagiert. Als ich Ende letzten Jahres anfing mich in Casa Buburuza nützlich zu machen, fand ich ein mehr oder minder leeres Haus vor, und definierte es für mich selbst als Ziel, dieses Haus mit Sinn zu erfüllen. Und dieses Ziel ging ich, wie es wohl meine Art ist, eher mit zu viel als mit zu wenig Ehrgeiz an. Anfang diesen Jahres hatte ich auch das Konzept fertig: Zusammen mit meinem Kollegen Costin wollten wir die Jugendgruppe wieder beleben, die es früher mal in anderer Form gab, sich aber inzwischen verloffen hatte, weil nichts mehr los war. Heraus kamen solche Aktivitäten wie die, die ich das letzte Mal beschrieben hatte, Spiele machen für Kinder. Es gab noch eine ganze Reihe dieser Aktivitäten: Essen machen mit Kindern, Spielenachmittag, Besuch im Altenheim für den Muttertag und so weiter. Außerdem machten wir nach wie vor gewisse Sachen nur für uns: ein Theaterspektakel besuchen, Sport machen oder einfach nur feiern. Das hört sich recht erfolgreich an, und wenn ich so darüber nachdenke war jede einzelne Aktivität für sich genommen ziemlich klasse.

Trotzdem wurde es immer frustrierender. Denn wenn wir kochten, dann kamen nur die Mädels, die mit den Kindern kochen wollten, wenn wir Sport machten die, die grade Bock drauf hatten. Die ganze Organisation blieb bei Costin und mir hängen. Die Jugendlichen kamen zwar, sie zeigten aber keine Eigenitiative. Und die Idee selbst Verantwortung zu übernehmen war ihnen wohl auch fremd, obwohl die meisten schon seit Jahren dabei sind. Wir hatten nie einen festen Stamm von Jugendlichen zusammen. Ich konnte Donnerstags noch so einen guten Film ausleihen und noch so viel Werbung dafür machen um sie für die darauffolgende Diskussion übers Wochenende anzulocken, es kamen ja doch nur immer die, die grade Bock darauf hatten. Unser Ziel, eine feste Jugendgruppe zu formen, halte ich inzwischen für gescheitert. Und je öfters ich darüber nachdachte, desto mehr bereitete es mir Kopfschmerzen. Denn eigentlich lief es nicht schlecht und könnte durchaus so weiterlaufen, wenn unsere Ziele nur nicht so ehrgeizig gewesen wären. Doch wir haben eben auch dauernd im Hinterkopf, dass die Hauptfinanzierung von Casa Bubu Ende des Jahres ausläuft, und wir bis dahin ein Konzept haben sollten, wie es auch ohne viel Geld und Initiative von außen sinnerfüllt funktioniert. Und natürlich zieht es einen jedesmal runter in dieses Haus zu gehen und mal wieder keinen Menschen anzutreffen, außer vielleicht einen meiner Kollegen, der gerade einen Bericht abtippt oder halt sonstwie Büroarbeit erledigt.

Aber Aufgeben gilt nicht. Unser neuer Versuch ist daher rumänische Freiwillige, vor allem Studenten, zu gewinnen, und unsere Angebote und Aktivitäten auf die Basis von Freiwilligenarbeit zu stellen. Der Teil, der mich dabei am meisten betrifft, sozusagen meine neue ‘Mission’, sind die wöchentlichen Kindergruppen. Einmal pro Woche kommen Kinder zu uns, spielen, basteln, toben rum, und werden von ein paar Jugendlichen und neu angeworbenen Freiwilligen betreut. Die erste Kindergruppe steht bereits, und meine Hauptaufgabe bis zum Sommer wird sein, die restlichen zum Laufen zu bringen. Am Anfang wird das ganze noch von mir koordiniert, nach einer Weile sollten die Betreuer aber feste Teams bilden, sodass ich mich zurück ziehen kann. 

Das hätte zwei Vorteile: Zum Einen will ich mich nicht mehr so stark engagieren wie vorher, ich hätte auch mal wieder gerne so etwas wie Freizeit oder ein Hobby. Denn ich hatte auch nach Feierabend eigentlich immer die Arbeit im Kopf und mir fiel es sehr schwer mich davon zu trennen und mal etwas für mich zu machen, außer wenn ich mit Anderen zusammen war. Zum Anderen ist es das wichtigste Ziel meiner Arbeit, mich selbst überflüssig zu machen. Denn ich bleibe ja nicht für immer, und wenn ich wieder gehe wäre es mein großer Wunsch, dass meine Arbeit nur Anstoß war, und von anderen weitergeführt wird.

3. Was macht mein Englisch? Nebenher bin ich ja auch noch Englischlehrer. Und das läuft zu meinem Erstaunen schon äußerst routiniert. Ich habe mich darin so sehr eingearbeitet, dass ich mir ziemlich gut in der Rolle vorkomme. Mit einer Schülerin hatte ich das selbst gesteckte Lernziel nach einem halben Jahr schon erreicht: 5 Schuljahre verpasstes Englisch aufzuholen. Ich habe Flori zum Abschluss eine schriftliche und mündliche Prüfung machen lassen, was für sie wie für mich einen großen Erfolg bedeutete. Zwei Wochen war bei mir auch ein kanadischer Freiwilliger zu Gast, und seit einiger Zeit habe ich eine engagierte rumänische Freiwillige eingearbeitet, die wohl einen meiner Kurse übernehmen wird.

4. Über das Leben in Bukarest

Seit etwa einem Monat ist der Winter endgültig vorbei. Ich konnte dem Winter erstaunlicherweise viele guten Seiten abgewinnen: die Stadt stinkt nicht mehr so, sobald es geschneit hat sieht man die Hundekacke nicht mehr, es fuhren nicht mehr so viele Autos rum. Außerdem mag ich auf gewisse Weise Kälte: Ich bin sie wohl von zu Hause gewöhnt. Ich habe aber auch andere Seiten vom Winter kennen gelernt: auf einmal fehlt mir ein Haufen Geld, der für die Heizkosten draufgeht. Und ich kann mir leider nur allzugut vorstellen wie viele Familien sich keine warme Heizung leisten konnten. Allein schon bei der Arbeit müssen wir nachts die Gasheizung ausmachen, und Montag morgens bei Englisch war es öfters mal so kalt, dass selbst im Haus der Atem gefrierte. Und gestreut wird hier überhaupt nicht. Natürlich weil kein Geld dafür da ist, aber es würde auch gar nicht gehen, weil der Zement so schlecht ist, dass Streusalz die Strasse beschädigen würde. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich wäre mit Schlittschuhen schneller auf der Arbeit gewesen als mit der Strassenbahn. Jeder Rumäne freut sich dashalb natürlich wenn der Winter vorbei ist. Es gibt unzählige Lieder über den Frühlingsanfang. Und auf dem Land ist das Erwachen zu neuem Leben, die neu gewonnene Freiheit nach dem langen Eingeschlossen-sein, erst recht ein Erlebnis. Auch ich freue mich natürlich, dass zwischen dem tristen Einheitsgrau der Stadt jetzt wieder grün zu sehen ist. Ich kann endlich wieder Sport machen. Das hab ich sehr vernachlässigt und habs jetzt auch ziemlich nötig. Meinen Frühlingsgefühlen folgend habe ich mich auch dazu entschieden, mir mein Marimba schicken zu lassen. Ich habe schon seit langem den Traum, rumänische Volksmusik für Marimba zu arrangieren. Ich habe Kontakt mir dem Schlagzeugprofessor an der Uni, und halte diesen Traum für durchaus realisierbar.  Aber auch ohne Sport und Musik machen, eins hatte ich hier noch nie - Langeweile. Bukarest hat so viel zu bieten - Konzerte, Spektakel, Clubs, Oper - dass ich immer noch neue Sachen entdecke, die ich noch machen will. Meine Mutter war Anfang März zu Besuch mit einer Kollegin und wir haben eine schöne Zeit zusammen verbracht. Es war für mich ein Grund mehr, mal wieder neue Facetten des kulturellen Lebens zu entdecken. Wir waren unter anderem in einem Tanztheater, Theatersport und im Ballett. Letzteres hat mich sehr beeindruckt. Als wir vor ein paar Wochen mal wieder in unserem Lieblingscafe, dem Valea Regilor, waren, saßen wir am Tisch mit Rumänen, einer Araberin, einem Kurden und einem Deutschtürken. Wir (Sabine, Andreas und ich) lernen ständig neue Leute kennen. Wir gehen mal ins Studentenviertel, mal ins Twice, mal ins Kino oder Billiard spielen. Ich treffe mich auch mal mit den Jugendlichen, mit denen ich arbeite, wir kennen noch Leute vom Sprachkurs, und teilweise sind noch Freundschaften aus der letzten Freiwilligengeneration verebt worden. Ich mag das Leben hier.

5. Sighis(ch)oara - Donaudelta - Mentalität  Doch Rumänien ist nicht nur Bukarest. Im März hatten wir ein Freiwilligentreffen des Eirene-Ostprogramms. Eine Woche lang tauschten wir Erfahrungen aus, erholten uns, feierten. Und dabei haben wir alle einen besonderen Teil von Rumänien erlebt - Siebenbürgen. Die Altstadt von Sighisoara ist wohl historisch so wertvoll, dass sie gleich vollständig unter Denkmalschutz gestellt wurde. Diese Stadt - wie die ganze Region ringsum - wurde erheblich von Deutschen geprägt, die Siebenbürger Sachsen, die sich dort vor etwa 800 Jahren ansiedelten. So gibt es auch ein Stück deutscher Kultur in Rumänien. Und wie schon gesagt befinde ich mich, während ich diesen Rundbrief auf Papier bringe, gerade im Donaudelta, laut Reiseführer das "wohl größte, noch fast völlig intakte Ökosystem in Europa". Hier gibt es tatsächlich noch unberührte Natur. Es gibt viele Vögel, Pelikane zum Beispiel. Und Fische selbstverständlich. Fliessend Wasser gibt es hier in keinem Haus. Wozu auch, hat man ja überall um sich rum. Telefone gibts auch nicht. Abends kommt das Vieh von alleine heimgetrottet. Alle 2 Tage kommt die Fähre vorbei und bringt mal wieder Menschen und Zeug für den Laden mit. Auch das ist Rumänien.

Rumänen sind Menschen vom Land. Sie sind sehr mit der Natur verbunden, und da sind sie auch stolz drauf. Selbst in Bukarest gibt es kaum jemanden, der nicht in den Ferien zu seiner Familie aufs Land fährt. So wenig Geld sie auch haben, für einen Strauß Blumen, oder wie jetzt zum Beispiel gerade Flieder, reichts immer noch.  So paradox das klingen mag, aber genau deswegen ist Umweltverschmutzung hier ein großes Problem. Wo fast jede Familie sich haupsächlich aus dem eigenen Garten ernährt, scheint es schwer begreiflich zu sein, warum man so etwas wie Mülltrennung machen sollte. Die Natur gibts und die Natur nimmts wieder. Nur leider trifft das nunmal auf die Chipstüte aus Plastik nicht zu. Die wird genau so an den Straßenrand geworfen wie der Apfelbutzen, aber im Gegensatz zu selbigem liegt die Tüte nach ein paar Jahren immer noch da. Überall in diesem Land sieht man deshalb Müll entlang der Srasse, dem Flussufer oder auf Campingplätzen liegen. Wenn sich mal jemand doch drum kümmert, dann kehrt er alles zusammen und zündet es an, egal ob Laub oder Batterien. Auf der Fähre nach Periprava hat mir das Herz weh getan zu sehen wie jung und alt, Mann und Frau, seinen Eisbecher oder die Bierdose einfach über Bord geschmissen hat. Ihr von Dosenpfand verwöhnten Deutschen könnt ja gar verstehen wie gut ihr es da habt. Jedesmal wenn ich einkaufen gehe und der Verkäuferin sage, dass sie mir doch bitte mein Zeug nicht in die Plastiktüte einpacken, sondern mir so in die Hand geben soll, bekomme ich als Antwort oft die verschiedensten Reaktionen, von ungläubbigem Staunen über Unverständnis bis hin zu "Ne das geht nicht, die ist ja umsonst".

6. Nachgezählt  Ich habe diesen Rundbrief mit Halbzeit betitelt. Das ist aber etwas irreführend, da ich noch nicht genau weiß, wann ich meinen Dienst beenden werde. Ich habe einen Vertrag für anderthalb Jahre unterschrieben. Aber auch das ist nicht auf den Tag genau bindend. Und je nachdem wie man noch die ganzen Seminare und die Projektreise dazuzählt, kommt man erst recht auf kein genaues Ergebnis. Im Moment kann ich mir am ehesten vorstellen, entweder Anfang Dezember oder Anfang Februar zurückzukommen. Also auf jeden Fall bleibe ich bis Ende des Jahres, aber nichts genaues weiß man nicht, hängt auch viel davon ab, was sich noch bei meiner Arbeit tut. Zwischendurch heimkommen habe ich übrigens nur dann vor, wenn es für meine weitere Planung zwecks Uni notwendig ist. Fragt mich hier allerdings auch nicht nach der Zukunft, die kann meinetwegen noch auf sich warten. Im Hier und Jetzt habe ich noch weiterhin vor kräftig Frieden zu machen, eine lohnenswerte Aufgabe finde ich. Alles Gute, Fridolin

Nachrichten

aus: Hermannstädter Zeitung 2003 (www.hermannstaedter.ro)

Redaktion: str. Tipografilor 12, RO-550164 Sibiu,  Tel. 0269 / 213422, 437765 email: hz@logon.ro

6.6. Gesetzestext gefälscht. Eine von der Regierung beschlossene Änderung des Wohnungsgesetzes ist auf dem Weg vom Kabinett zum Parlament um 3 Paragrafen erweitert worden. Die hinzugefügten Artikel räumen den Würdenträgern Privilegien bezügl. der Ferienhäuser ein. Bauminister Miron Mitrea bemerkte die Fälschung, als er das Dokument gegenzeichnen wollte und berichtigte es. Eine Untersuchung des Falles wurde angekündigt.

4.7. Anzahl der Drogenabhängigen nimmt rasant zu: In 3 Jahren 30 mal mehr.

Allein in Bukarest wird die Zahl der Süchtigen auf 30.000 geschätzt, 2/3 sind minderjährig, einige erst 9-10 Jahre. Die Anzahl der Raubüberfälle und Autoeinbrüche ist in Bukarest in der letzten Zeit sprunghaft gestiegen, die Zunahme geht aufs Konto der Rauschgiftsüchtigen. 2001 wurden 7 Tonnen reines Heroin in Rumänien konsumiert, aber nur 4,73 kg konnte die Polizei sicherstellen. Sowenig wie die Polizei ist auch die Gesundheitsfürsorge dem Phänomen gewachsen. In Westeuropa gibt es 300.000 Therapieplätze für Abhängige, in allen 12 EU-Beitrittsländern gerade mal 6.000. (Quelle: Adevărul)

22.8. Das Zementmonopol. Die 3 in Rumänien tätigen Zementhersteller werden verdächtigt, sich den rumänischen Zementmarkt untereinander aufgeteilt und Preisabsprachen getroffen zu haben. Alle 9 Zementfabriken haben 1997-99 drei auf dem Weltmarkt führende Konzerne gekauft: Heidelberger Cement (D), Lafarge (F) und Holcim Group Support (CH). Die Konzerne drosselten die Produktion und nutzten übereinstimmend in den letzten Jahren nur 60-62% der Kapazitäten. Preissteigerungen von 37 Dollar pro Tonne (1996) auf 80 Dollar pro Tonne (2003) fanden in den neun Fabriken gleichzeitig statt, Preisunterschiede auf dem Binnenmarkt betragen weniger als 1%. Zum Vergleich: In Ungarn kostet eine Tonne 60, in Tschechien 55 und in Polen nur 50 Dollar. Gleichzeitig wurde der Preis des ins Ausland verkauften rumänischen Zements von 29 auf 24 Dollar je Tonne gesenkt, ein Dumpingpreis, der die Produktionskosten nicht deckt. Die Differenz zahlen die rumänischen Kunden Die Akte Zement wurde dem Wettbewerbsschutzamt zu weiteren Nachforschungen übergeben, das Ergebnis wird bis zum Jahresende erwartet. Die Regierung erwägt bei Bestätigung des Verdachts der Monopolbildung zeitlich begrenzte Preiskontrollen. Premierminister Adrian Nastase erklärte: da sich viele sogenannte strategische Investoren wie Kolonialherren benähmen, werde er prüfen lassen, ob ise ihre iInvestitionen "mit Geld von zuhause oder nur mit dem aus Preissteigerungen resultierenden Geld" getätigt haben.

29.8. Niedrigwasser verteuert Stromerzeugung. Die Donau führt bei Bazias beim Eintritt auf rum. Gebiet nur 1650 m3 Wasser pro Sekunde (gegenüber 4770 m3 in "normalen" Dürrejahren). Das ist die geringste Menge seit 1840. Der Wasserstand ist stellenweise geringer als 1,60m, der Schiffsverkehr ist behindert. Die Regierung wollte die Aushebung einer durchgehend 4 Meter tiefen Fahrrinne besprechen. Das Kernkraftwerk Cernavoda musste wegen Kühlwassermangel stillgelegt werden. Gepaart mit dem auf 60% gesunkenen Speicherstand der meisten Stauseen wird ein Anwachsen der Stromerzeugungskosten auf das 8-fache erwartet, da kostenintensive Wärmekraftwerke zugeschaltet werden müssen. Bei Giurgiu tauchten Blindgänger aus dem 2.Weltkrieg im Flussbett auf, badelustige Bulgaren wechselten ans rumänische Ufer, die Donau ist hier nur noch 1 Meter tief.

3.10. Grenzkontrollen drastisch verschärft. Nachdem viele rumänische Staatsbürger in den Schengener Staaten straffällig geworden waren und der Innenminister Österreichs mit der Wiedereinführung des Visumzwangs gedroht hatte, sind rumänischerseits die Passkontrollen an der Westgrenze drastisch verschärft worden 30% aller Ausreisenden wurde am letzten Wochenende der Grenzübertritt verwehrt. Die Grenzpolizei wies in 24 Std. 6.000 Reisende ab. Die nötigen Papiere, die jeder Reisende bei sich ghaben muss, sind: Hin- und Rückfahrkarte, Krankenversicherung, Devisen (100 € pro Tag) und Reisepass. Der max. Aufenthalt im Schengenraum ohne Visum beträgt 90 Tage in 6 Monaten.

Weniger wert als eine Kuh. Der Vorsitzende der Nationalliberalen Partei, Theodor Stolojan, verglich das Mindesteinkommen eines rumänischen Bürgers mit den EU-Subventionen für eine Kuh. Betrage der Mindestlohn in Rumänien 67 Euro, bekomme ein EU-Bauer 75 Euro Subvention pro Kuh.

Die Arbeitsgruppe Rumänienhilfe Süddeutschland

lädt ein zum Jahrestreffen für alle in Rumänien tätigen deutschen Organisationen am 8.11.2003 von 10-17 Uhr nach 83533 Edling, Raiffeisenstraße (Gemeindehaus "Krippnerhaus") Nachfragen und Anmeldung an Frau Freilinger, Ilzhamerstr. 6, 83119 Obing, Fax 08624 / 878 450, email: f.freilinger@auto-freilinger.de   

Adressen:

Die Deutsche Botschaft ist umgezogen. Die neue Adresse:

str. Aviator Cpt. Gheorghe Demetriade 6-8, 011848 Bucureşti,

Tel. 021 / 230 2580 oder 230 2605, Fax 021 / 230 5846 oder 230 2155.

Schalomdiakonat in Rumaenien
Harald, Maria und Dorothee

507039 Viscri Nr. 57
jud. Braşov
Tel. 0040 722-20.24.70

aldus

Antiquariat, Buchhandlung, Verlag, Druckerei

Piata Sfatului nr. 17

RO-500031 Braşov

Tel. / Fax 0040-(0)268-478 823

Viscri incepe
asociatia non-profit (Viscri legt los, gemeinütziger Verein)
Frauen von Viscri,

Vorsitzende: Maria Panait
507039 Viscri Nr. 38, jud. Braşov
mit folgenden Aufgaben:
Frauen stricken Socken
Spinnerei,Suppenkueche,
Vollkorn-Minibaeckerei, Cafe
Quartier-Vermittlung, Schularbeitenhilfe, Dispensar, Gesundheitsstation

RO aktiv Reisen Gmbh -

Spezialist für Rumänienreisen

Katalog, Reiseinformationen, Buchung: Dr.-Gustav-Knodel-Str. 1,

76344 Eggenstein, Tel: 0721-784836, Fax: 0721-7818165

e-mail: roaktiv@roaktiv.de;

Internet: www.roaktiv.de

amnesty international

Rumänien-Koordinationsgruppe

Mühlenweg 18, D-49453 Rehden-Diepholz

Tel. 05446-4047, Fax 05446-4949

Rumänienhilfe Lützen

"Hilfe für Osteuropa" e.V.
Karl-Marx-Straße 40
06686 Lützen
Telefon: (03 44 44) 20 451
Fax: (03 44 44) 23 377
Mail: fwilms@t-online.de
http://www.rumaenienhilfe-luetzen.de
Spendenkonto: 17 12 888 00
Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut
( BLZ 800 636 48) 

Osteuropazentrum Berlin
Bibliothek: In der Forschungs- und Gedenkstätte NORMANNENSTRASSE
Ruschestrasse 103, Haus 1, 10365 Berlin
Telefon: (030) 9939316,  99401887
Telefax: (030) 99401888
Internet: www.osteuropa-zentrum.de

Email: Detlef.W.Stein@t-online.de

Archiv / Videothek in der Stiftung und Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Genslerstr. 66, 13055 Berlin

Bibliothek, Archiv und Videothek sind Präsenzeinrichtungen, eine Fernleihe ist nicht möglich. Die Nutzung ist Montags bis Freitags 10.00 -18.00 Uhr möglich, allerdings ist eine telefonische Anmeldung
notwendig. In dringenden Fällen auch am Wochenende. Kopiermöglichkeiten sind gegen eine Gebühr nutzbar.

Erste Reaktion auf Rundbrief Nr.18:

Lieber Andreas Merker,

eben ein paar Anmerkungen.

Den erwähnten Brief von Don Demidoff hätte ich gerne. Mit ihm zusammen bereite ich eine Eingabe an die EU vor, etwa folgenden Inhaltes:

Kinder werden in "häusliche Pflege" gegeben, bezahlt, aber teilweise geht es ihnen jetzt noch schlechter in den Heimen. Als Zeuge: abgedunkelter Raum, kaum gewickelt, Fernsehen läuft immer, und das eigene leibliche Kind der Mutti läuft frei und getrennt von den Geschwistern bei Mutti herum...

Zahlreiche Kinder werden aus den nicht mehr existenten Heimen (die sind jetzt alle "Vermittlungszentren") in die Familien zurückgeführt... Aber die Eltern können sie nicht unterhalten. Die Kinder landen zwangsläufig auf der Straße, und selbst in mittleren siebenbürgischen Städten wächst die Zahl der Straßenkinder drastisch.

Andere werden, von der EU finanziert, in Familienhäuser gesteckt. Nach unserem Vorbild? Nein. Es werden riesige Summen von der EU kassiert. Für einen kleinen Teil des Geldes werden Plattenbauwohnungen gekauft (zu haben für ca. 500 €). Statt von Eltern werden die Kinder im "normalen Turnus" betreut. Das heißt: Alle 6 Stunden wechselt der Erzieher (6-STunden-Tag ist üblich). Keine festen Bezugspersonen und auch nicht mehr Liebe als im Heim.

Es wäre nicht schlecht, wenn Sie die Anfrage ins Netz stellen können: Wer kann ähnliche Beobachtungen hinsichtlich der rumänischen Jugendhilfe beitragen? Sie müssen aber bereit sein, für die genannten Fakten auch gerade zu stehen, bzw. sie belegen zu können. Es ist, glaube ich sehr dringlich, denn es entwickelt sich eine offensichtliche Anpassung an westliche Forderungen, aber durch die Hintertür wird das alte Elend fortgesetzt.

Noch ein Wort zur "Rumänenbande": Sie können mir gerne die alten Exemplare (vergriffen) zurück senden, und ich schicke Ihnen die Neuauflage, die deutlich verändert und bis 2003 aktualisiert ist.

Wolfgang Gerts

LAUTSPRECHER :Gold oder Leben...

von Joachim Cotaru EBF | 2003-10-13

Himmel und Hölle haben die 350 Familien in Bewegung gesetzt, um ihr Dorf zu retten. Sie wollen Rosia Montana im siebenbürgischen Apuseni-Gebirge im Westen Rumäniens auf keinen Fall verlassen. Insgesamt fast tausend Familien droht die Umsiedlung, falls die Pläne für die größte Goldmine Europas auch tatsächlich umgesetzt werden.

Die 350 Familien, die meisten von ihnen Bauern und Bäuerinnen, haben sich im Verein Alburnus Maior � so lautet der lateinische Name der alten römischen Siedlung nahe des heutigen Rosia Montana - zusammen geschlossen und die größte Umweltkampagne Rumäniens in Gang gebracht. Sie wehren sich gegen die Umsiedlung, gegen drohende Umweltschäden und die Zerstörung der archäologischen Stätten aus der Römerzeit, und auch gegen die Zerstörung von Naturdenkmälern. Eine mobile Ausstellung klärte über die ökologischen und sozialen Folgen des Goldabbaus auf. Tausende Unterschriften wurden in Rumänien für ein Referendum gesammelt. Fast eine halbe Million Menschen in Rumänien unterzeichneten Petitionen gegen die Mine und schickten sie an Parlament, Regierung und Kirchen. Die Unterstützung ist gewaltig, der Erfolg ungewiss.

1997 kam die kanadische Gabriel Resources Ltd. nach Rosia Montana. Gemeinsam mit der staatlichen rumänischen Bergbaufirma Minvest Deva gründete sie die Rosia Montana Gold Corporation (RMGC). Gabriel Resources ist an der Börse von Toronto notiert und wurde von dem aus Rumänien stammenden Frank Timis gegründet. Derzeit hält die Firma 80 Prozent an der RMGC. Dem rumänischen Staat soll aus der Mine lediglich ein Gewinnanteil von zwei Prozent zukommen. In den Bergen von Rosia Montana versprechen sich die Spezialisten ein Goldvorkommen von insgesamt 200 Tonnen Gold und etwa achtmal soviel Silber. Dafür müssen jedoch bis zu 150 Millionen Tonnen Erz bewegt werden.

Das Vorhaben ist gigantisch. Vier Berge sollen abgetragen, das Erz aus den entstehenden Kratern mit Hilfe von Zyanid ausgewaschen werden. Diese Methode verspricht aufgrund geringer Kosten maximalen Gewinn � zugleich ist sie in hohem Maß umweltschädigend. Die Behandlung des zurückbleibenden Giftmülls gestaltet sich schwierig. Deshalb wird der Abfall in riesigen künstlichen Seen gelagert. Für Rosia Montana ist ein Becken von rund 400 Hektaren Oberfläche und einem Volumen von 250 Millionen Kubikmetern geplant, um die angepeilte Jahresmenge von 5000 Tonnen Zyanid aufnehmen zu können. Ein Damm von fast 200 Metern Höhe wäre dann der einzige Schutz vor einer Katastrophe, wie sie vor nur knapp drei Jahren � ebenfalls in Rumänien � Wirklichkeit wurde und das Leben in der Theiß bis nach Belgrad hinunter auslöschte.

Das Unglück von Baia Mare, rund 170 Kilometer nordöstlich von Rosia Montana, löste laut der Umweltorganisation Greenpeace "eine der schlimmsten Fluss-Katastrophen" in Europa aus. Ende Januar 2000 brach der Damm eines Zyanid-Staubeckens. Es dauerte ganze drei Tage, bis der Damm wieder geschlossen wurde. Etwa 100 Tonnen zyanidbelastete Abwässer flossen damals in einer giftigen Welle durch Rumänien, Ungarn und Serbien. Noch im Mündungsgebiet der Donau, nach fast 2000 Flusskilometern, wurden die Zyanid-Grenzwerte deutlich überschritten. Baia Mare mag das verheerendste Unglück seiner Art gewesen sein, doch gab es in den Folgemonaten mindestens ein halbes Dutzend ähnlicher Unfälle. In der Nachbarschaft von Rosia Montana kam es 1998 zu einem vergleichbaren Unglück, das Tausende Hektar Ackerland langfristig schädigte. Die schon bestehenden Goldminen im Apuseni-Gebirge zählen laut Greenpeace zu den "40 bis 60 extrem gefährdeten Regionen mit massiven Grenzwertüberschreitungen, Störfällen und Katastrophenrisiken", deren Schließung rein rechtlich überfällig sei.

Die Rosia Montana Gold Corporation (RMGC) hat mittlerweile einige Schlappen einstecken müssen. Die Weltbank hat sich nach Protesten von Umweltgruppen aus dem Projekt zurückgezogen. Der Firma entging damit ein Kredit von 100 Millionen Dollar. Hoffnungen, dies durch private Investoren wettmachen zu können, haben sich praktisch zerschlagen. Inzwischen raten selbst Goldmarkt-Insider vom Kauf der Gabriel-Aktien ab und empfehlen, die Wertpapiere "wegen der unkalkulierbaren Risiken nicht zurückzukaufen". Das alles hat die RMGC aber nicht aufhalten können. Sie hat in Rosia Montana ein "Bürgerinformationszentrum"einrichten lassen und versucht, EinwohnerInnen und Gäste von den positiven Effekten für die Region zu überzeugen. Dazu zählen neben den finanziellen Argumenten auch die Hoffnungen auf neue Arbeitsplätze. Auch haben erste Umsiedlungen bereits begonnen � obwohl die Anhörungen zur Sozial- und Umweltverträglichkeitslizenz erst diesen Herbst stattfinden. Die Firma selbst muss entsprechende Pläne vorlegen � das ist sowohl nach nationalem als auch nach EU-Recht Pflicht, und auch die Weltbank verlangt ein solches Vorgehen.

Bis jetzt hat die RMGC schon mehr als 250 Häuser im Ort erworben oder Vorverkaufsverträge abgeschlossen. Blaue Schilder markieren ihren Besitz, oft neben einem Symbol, welches das Gebäude als historisch wertvoll auszeichnet. Solche Häuser dürfen nicht abgerissen werden, weshalb die RMGC den Dorfkern zur Schutzzone erklärte. Auf einer Investoren-Konferenz Ende April in Toronto erklärte jedoch einer der Direktoren, Simon Lawrence, es gebe nach einer erfolgreichen Umsiedlung keinen Grund, auch das Gebiet der Schutzzone abzubauen. Die Firma versucht, die Menschen mit Geld zum Verlassen ihrer Wohnungen, Häuser oder Läden zu bewegen, mit Summen, die weit über dem rumänischen Standard liegen. Der Allgemeinmediziner hat sich bereits überzeugen lassen und seine Praxis geschlossen. Im Dorf munkelt man, er habe 30000 Dollar erhalten. Nun sind 1800 Menschen ohne ärztliche Grundversorgung. Wenn Geld nicht zum Ziel führt und sobald sie im Besitz der endgültigen Betriebsbewilligung ist, will die Rosia Montana Gold Corporation den rumänischen Staat einschreiten und die Widerwilligen zwangsumsiedeln lassen. Gleichzeitig macht die RMGC bereits jetzt den DorfbewohnerInnen das Leben schwer. Die Firma hat begonnen, die Seen um Rosia Montana aufzukaufen, die die Wasserversorgung des Viehs sicherstellen. Die Wasserleitungen der Gemeinde kontrolliert die Firma mittler-weile auch. Bezeichnend für diese Vorgänge, so die Alburnus-Maior-Aktivistin Stefania Simion, sei der Verkauf von Gemeindeland wie etwa der Allmend gewesen: "Das Rathaus meldete dafür eine öffentliche Auktion an. Bedingung für die Teilnahme war der Besitz einer Bergbaulizenz. Über eine solche verfügt nur die Rosia Montana Gold Corporation. Schlussendlich war sie der einzige Bieter."

Ein neuer Hoffnungsschimmer tat sich zu Beginn des Sommers auf. Premierminister Adrian Nastase erklärte, die Bukarester Regierung unterstütze den Bau der Mine nicht, obwohl die Firma Rosia Montana Gold Corporation nach eigenen Angaben bereits eine vorläufige Betriebsgenehmigung erhalten hat. Die Mine verursache soziales Leid und ökologische Schäden, so Nastase. Als die Rosia Montana Gold Corporation Anfang Juli einen Parlamentsbericht zu ihren Gunsten auslegte, intervenierte Nastase nochmals. "Ein Teil der Regierung hat realisiert, dass es sich bei der Mine um ein illegales und absurdes Projekt handelt", sagt Stefania Simion. Wieder einmal sackten die Aktienkurse der Gabriel Resources an der Börse von Toronto ab. "Die Firma Gabriel hat stets und ständig beteuert, die Unterstützung von Regierung und Einwohnern zu haben. Für die Anleger waren die Statements aus Bukarest ein Schock." Stefania Simion und viele andere aus Rosia Montana hoffen nun, dass Nastase bei seinem Wort bleibt und zumindest die Umsiedlungen stoppt.

Der Maler Valentin Costin bewirbt derzeit europaweit die Idee einer Künstlerkolonie in Rosia Montana. "Das soll kein Sommerurlaub werden, sondern eine ständige Präsenz" betont er. Auf den Märkten der Region sollen die Produkte verkauft werden und den Widerständischen so helfen. In Deutschland hat das Europäische Bürgerforum eine Aktion lanciert, um den Kampf gegen die Mine mit Protestbriefen zu unterstützen.

Für den Erfolg der Kampagne von Alburnus Maior ist solch internationale Unterstützung essentiell. Denn im Oktober beginnen die öffentlichen Anhörungen zur Umweltverträglichkeitslizenz, die für einen legalen Fortgang der Umsiedlungen notwendig sind. Die Bukarester Behörden wollen danach nochmals ihre Entscheidung zu der schon erteilten Betriebsgenehmigung überdenken. Rosia Montana Gold wird dann nochmals die PR-Maschine auf Hochtouren bringen. Aber auch die Mitglieder von Alburnus Maior und ihre Familien wissen um die Bedeutung des Ausgangs der Anhörungen und wollen nichts unversucht lassen.

Informationen unter

www.rosiamontana.org.

Eine Vorlage für die Protestbrief-Aktion des Europäischen BürgerInnenforums findet sich auf

www.forumcivique.org.

Wer sich für die Künstlerdorf-Idee interessiert, kann sich an Valentin Costin wenden:

Tel. +49.722.469151 oder Email

valentin.costin@web.de

Aus "Archipel - Zeitung des Europäischen Bürgerforums" Nr. 109, Oktober 2003

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